7 Tipps zur Vermeidung von Behandlungsfehlern

In Arzthaftungsverfahren stellt sich oft heraus, dass eine falsche Diagnose gestellt, unnötig behandelt bzw. operiert wurde oder Patienten sich nicht richtig über die Behandlung informiert fühlten. Dabei lassen sich viele Behandlungsfehler vermeiden, wenn man als Patient im Vorfeld und während der Behandlung einige Regeln beachtet.

Lassen Sie sich umfassend und verständlich informieren

Bevor Sie sich auf eine Behandlung einlassen, fragen Sie den Arzt, ob die Behandlung tatsächlich in der vorgeschlagenen Form erfolgen muss und ob es eventuell Alternativen gibt. Bei diesem Gespräch sollte der Arzt auch die Vor- und Nachteile jeder Behandlung ausführlich erläutern. Achten Sie darauf, dass der Arzt über mögliche Risiken der jeweiligen Behandlung informiert. Wenn Sie etwas nicht verstehen, fragen Sie so lange nach bis Sie es verstehen. Das Aufklärungsgespräch sollte unbedingt schriftlich dokumentiert und Ihnen in Kopie ausgehändigt werden. Idealerweise finden diese Gespräche in Anwesenheit einer Person Ihres Vertrauens statt.

Holen Sie eine unabhängige Zweitmeinung ein

Wenn eine Behandlung nicht unaufschiebbar ist, sollte zwischen den informatorischen Gesprächen und der eigentlichen Behandlung ausreichend Zeit liegen, damit Sie Ihre Entscheidung in Ruhe treffen können. Bei Zweifeln oder auch vor schwerwiegenden Eingriffen ist es in jedem Fall empfehlenswert, sich eine unabhängige Zweitmeinung einzuholen.

Wählen Sie den richtigen Behandler aus

Ein weiterer wichtiger Aspekt zur Minimierung von Behandlungsfehlern ist die richtige Auswahl des behandelnden Arztes bzw. Krankenhauses. Für jede Erkrankung und Behandlungsform gibt es spezialisierte Ärzte und Krankenhäuser. Spezialisten garantieren zwar keine fehlerfreie Behandlung, doch aufgrund ihrer Erfahrung in der Behandlung vieler gleichgelagerter Fälle, ist das Risiko einen Behandlungsfehler zu erleiden deutlich verringert. Informationen über entsprechende Spezialkliniken gibt Ihnen der Sie behandelnde Arzt. Sie können sich aber auch über unabhängige Kliniklisten wie z.B. die Weiße Liste und die Klinikführer der Krankenkassen, die Sie auf der Internetseite Ihrer Krankenkasse finden, informieren.

Im Krankenhaus

Bestehen Sie auf einen Keimtest

Vor einem Eingriff ist es ratsam, bei dem behandelnden Krankenhaus auf einem Keimtest zu bestehen. Dieser Test ist unkompliziert durchzuführen und mit geringen Kosten verbunden, hilft aber dabei, das Risiko von Krankenhauskeimen und die damit für den Patienten verbundenen Risiken deutlich zu reduzieren.

Übergeben Sie eine Medikamentenliste

Auch während eines stationären Aufenthaltes kommt es immer wieder zu vermeidbaren Behandlungsfehlern: So werden Medikamente verabreicht, gegen die die Patienten allergisch sind, oder Medikamente werden falsch dosiert. Dieses Risiko lässt sich minimieren, wenn Sie dem behandelnden Arzt bei der stationären Aufnahme eine Medikamentenliste übergeben und ihn unaufgefordert über etwaige Allergien oder Medikamentenunverträglichkeiten informieren. Ganz wichtig ist es sicherzustellen, dass dies in der Krankenakte auch sichtbar vermerkt wird.

Lassen Sie die OP-Stelle markieren

Da es immer wieder vorkommt, dass bei Operationen an der falschen Stelle operiert wird, ist es ratsam, mit den Ärzten zu besprechen, dass die zu operierende Stelle vor dem Eingriff markiert wird.

Verschaffen Sie sich Gehör

Viele Behandlungsfehler passieren erst nach dem eigentlichen Eingriff. Ursache hierfür ist, dass die Patientenbeschwerden in der Nachbehandlung nicht ausreichend ernstgenommen werden. In einem solchen Fall ist es wichtig, dass Sie oder Ihre Angehörigen sich auf der Station Gehör verschaffen und mit Nachdruck darauf bestehen, von einem Arzt untersucht zu werden.

Checkliste:

  • Vor der Behandlung:
    • Behandlungsalternativen und Notwendigkeit der Behandlung abfragen,
    •  Ggf. Zweitmeinung einholen,
    • Vertrauensperson zu wichtigen Gesprächen mitnehmen.
  • Behandlung nur von Spezialisten,
  • Vor dem Eingriff auf Keimtest bestehen,
  • Übergabe der Medikamentenliste an das Krankenhaus,
  • Krankenhaus über Allergien informieren,
  • OP Stelle markieren,
  • Fordern Sie auf der Station mit Nachdruck Ihr Recht ein.

Sollte es dennoch zu einem Behandlungsfehler kommen, beauftragen Sie unbedingt einen spezialisierten Anwalt mit der Wahrnehmung Ihrer Interessen. Er verfügt über die notwendigen juristischen und auch medizinischen Kenntnisse. Er klärt über alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten auf und kann das für Sie optimale Ergebnis erreichen.

Sven Wilhelmy, Rechtsanwalt

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