Martin Quirmbach, Rechtsanwalt und Senior-Partner

Rechtsanwalt Martin Quirmbach 

Experte für Arzthaftungsrecht

An meinem 60. Geburtstag fragte mich meine Frau: „Und, mein lieber, bist du zufrieden mit dem, was du bis jetzt in deinem Leben erreicht hast?“ Meine Antwort war ein uneingeschränktes Ja.

Die Frage hat mich dann aber doch zu einem tieferen persönlichen Rückblick inspiriert. Ja, in der Rückschau bin ich sehr zufrieden. Persönlich und beruflich habe ich mein Ziel erreicht, ein erfülltes Leben zu führen. Seit 37 Jahren bin ich mit meiner Frau, Konstanze Quirmbach, verheiratet und wir haben einen Sohn, Sebastian. Ich bin stolz auf meinen Sohn, der als Betriebswirt und Manager die Kanzlei leitet. Meine beiden Enkel, Lucas und Lucia, wecken unglaubliche Freude als Opa in mir, doch leider sehe ich sie nicht oft genug.

Glücklich bin ich aber auch, weil ein Lebenstraum Wirklichkeit wurde: Schon immer wollte ich gerne einmal in einem fernen Land leben und arbeiten. Die Wahl fiel auf Nova Scotia (Ost-Kanada), nicht zuletzt auch wegen des Indian Summers. Seit zehn Jahren leben meine Frau und ich hier, an einem See beziehungsweise am Meer. Heute ist es für mich kaum vorstellbar, dauerhaft an einem Ort zu leben, an dem ich nicht auf Wasser schauen kann. Diese, für mich so optimalen, Lebensumstände sind auch eine ganz wichtige Voraussetzung für meinen beruflichen Erfolg und meine Zufriedenheit. Denn dies war nicht immer so.

Angefangen habe ich 1982 als Rechtsanwalt in einem kleinen Ort im Westerwald. Meine Vorstellung, als Anwalt der furchtlose Retter für alle Rechtlosen zu sein, wurde schon bald von der Realität überholt. Ich erkannte schnell, bei Gericht geht es nicht um Gerechtigkeit, sondern darum, eine Lösung für bestimmte Sachverhalte zu finden. Der eigene Einfluss auf das Geschehen bleibt gering.

Und ich lernte ebenso schnell, dass es wenig Sinn macht, auf allen Hochzeiten tanzen zu wollen. Eine Spezialisierung war notwendig, damit ich wirklich Einfluss gewinnen und meinen Mandanten die große Hilfe sein kann, die ich ihnen sein will. Mein Interesse für das Fachgebiet Medizinrecht, konkret Arzthaftungsrecht, hat mein Bruder geweckt. Er war ein begnadeter Mediziner und unsere Gespräche über medizinische Themen und seine Vorstellung vom Arzt-Sein haben mich stark geprägt.

Auch eine persönliche Erfahrung hat bei der Entscheidung für das Arzthaftungsrecht eine wichtige Rolle gespielt. Eine Uniklinik hatte mich als junger Mann zwei Jahre lang intensiv auf Tuberkulose behandelt, bis sich herausstellte, dass ich gar nicht an Tuberkulose erkrankt war. Das Ganze löste sich dann irgendwann in Wohlgefallen auf und ich wurde für gesund erklärt, hatte aber in den zwei Jahren einige Dutzend Kilogramm an Medikamenten eingenommen.

Die Themen der Spezialisierung waren schnell gefunden, da Arzthaftungsrecht und Personenschadensregulierung eng mit einander verbunden sind.

Es kann keine optimale Vertretung in Arzthaftungssachen gelingen, wenn man nicht gleichzeitig Experte für Personenschäden ist.

Von Anfang an war mir klar, dass ich nur auf der Patientenseite tätig sein kann. Ich habe nichts gegen Ärzte, ich respektiere sie und ihren verantwortungsvollen Beruf. Wegen der äußeren Bedingungen, unter denen sie arbeiten müssen, bedauere ich sie. Doch ich habe etwas gegen Versicherungen und deren Handhabung der Schadensregulierung. Aus diesem Grunde wäre es mir nicht möglich, Versicherer zu vertreten.

„Sehr geehrter, lieber Herr Quirmbach, auf diesem Wege möchten meine Frau und ich uns nochmals sehr herzlich bei Ihnen für Ihre Arbeit, Ihre Bemühunhen, Ihre kompetente Recherche, vor allem aber für Ihr Einfühlungsvermögen und Ihren Bestand recht herzlich bedanken …“

aus der Rückmeldung eines Mandanten von Rechtsanwalt Quirmbach

Die Beantwortung von mehr als fünfzigtausend Anfragen hat mir einen tiefen Einblick in alle Facetten menschlichen Leids gegeben. Diese Erfahrungen sind für mich Auftrag und Ansporn, mich voll und ganz für den einzelnen Mandanten einzusetzen, und auch für die Stärkung der Rechte von Schwerstgeschädigten zu kämpfen. Diese Einstellung hat mich bei der Auswahl aller Kollegen, die heute in der Kanzlei zusammenarbeiten, geleitet. Es war mir wichtig, Kolleginnen und Kollegen zu haben, die diese Auffassung teilen.

Zum 1.1.2018 habe ich meine Anteile an der Kanzlei in jüngere Hände übergeben und bin weiterhin als Berater Teil des Teams.

Meine Aufgabe für die Zukunft sehe ich darin, eine Lobby für Betroffene zu schaffen, die Öffentlichkeit durch die Gewinnung geeigneter Institutionen und einflussreicher Persönlichkeiten zu mobilisieren. Ich denke daran, eine Organisation zu gründen, unter Umständen in Form einer Stiftung, deren Aufgabe es ist, den Geschädigten Rückendeckung zu geben, sie mit Rat und Tat zu unterstützen, in bestimmten Fällen auch finanziell. Darüber hinaus kann eine solche Organisation weitaus besser die Öffentlichkeit mobilisieren.

Nach meiner Auffassung kann nur der Druck auf die Politik über eine starke Gemeinschaft Betroffener und deren Unterstützer eine Änderung der derzeit unhaltbaren Zustände in der Schadensregulierung, verursacht vor allem durch die Versicherer, aber auch durch Gerichte, herbeiführen. Meine Erfahrungen nach zehn Jahren Kanada unterstützen mich bei diesem Ziel, denn in diesem Land begegnen Politik und Gesellschaft Behinderten mit sehr viel größerem Interesse und weitaus besserer Unterstützung. Behinderte sind weitestgehend in die Gesellschaft integriert.

In Deutschland habe ich den Eindruck, dass sich das Engagement für Behinderte oft in der Schaffung von Behindertenparkplätzen erschöpft. Gleichzeitig aber wird den Behinderten das Merkzeichen aG (besonders schwere Gehbehinderung) verweigert, das zur Benutzung dieser Parkplätze erforderlich ist. Behinderte haben in diesem Land keine richtige Lobby. Im Gegenteil – in Zeiten schwindender Finanzkraft sind Behinderte und Schwerstgeschädigte mit die ersten, die von Einsparungen betroffen sind.

Dem möchte ich mit aller Kraft entgegenwirken!

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