• Geburtsschadensrecht

Hilfe bei Geburtsschäden

Anwälte an Ihrer Seite

TOP-Kanzlei Medizinrecht 2017 Quirmbach & Partner

Sie haben sich intensiv auf die Geburt Ihres Kindes vorbereitet, Schwangerschaftskurse besucht, Bücher gelesen, sich um Ihre Hebamme und das richtige Krankenhaus gekümmert.

Im Krankenhaus oder Geburtshaus kommt es dann jedoch völlig anders als erwartet … Ihr Kind erleidet einen Geburtsschaden. Möglicherweise durch einen Fehler in der Schwangerschaftsvorsorge oder einen Fehler bei der Geburt und der Neugeborenenversorgung.

Die Geburt eines behinderten und schwergeschädigten Kindes ist der Albtraum aller Eltern. Aus einem der schönsten und größten Ereignisse, der Geburt des eigenen Kindes, wird eine Katastrophe, und nichts ist mehr so, wie es sein sollte. Zu dem unvorstellbaren Leid des Kindes und der Eltern kommt die Sorge, wie es nun weitergehen soll.

Sprechen Sie mit uns, wir können und möchten Ihnen helfen.

Zu Beginn die richtigen Weichen stellen

Fehler bei der Geburt haben meist extrem hohe gesundheitliche und materielle Schäden zur Folge.  Kommt bei einem Geburtsschaden ein Behandlungsfehler in Betracht, müssen die Schmerzensgeld- und Schadensersatzansprüche für das Kund und eventuell auch die Mutter konsequent und mit Nachdruck durchgesetzt werden.

Die Schmerzensgeld- und  Schadensersatzbeträge sind bei Geburtsschäden sehr hoch und die gegnerischen Haftpflichtversicherer bieten selten einen angemessenen Schadensersatz an. Daher sollte unbedingt ein Spezialist für Arzthaftungsrecht mit der Wahrnehmung der Interessen beauftragt werden. Unsere auf Geburtsschadenfälle spezialisierten Fachanwälte für Medizinrecht stehen Ihnen mit  ihrem juristischen und medizinischen Fachwissen und  dem nötigen Einfühlungsvermögen kompetent und engagiert  zur Seite. Bundesweit vertreten wir ausschließlich die Patientenseite, weil es nach unserer Auffassung nicht möglich ist, glaubwürdig beide Seiten zu vertreten.

Wir verstehen uns nicht nur als Ihre Rechtsvertreter im Geburtsschadensrecht. Wir sind auch, soweit uns dies möglich ist, Ihre Berater und Ansprechpartner in einer sehr schwierigen Lebenssituation.

Geburtsschäden – schicksalshaft oder vermeidbar?

Weitere Informationen finden Sie auch auf unseren Youtube-Kanal.

Ihre Experten für Geburtsschäden

Irem Scholz, Fachanwältin für Medizinrecht, Arzthaftungsrecht, Schmerzensgeld

Irem Scholz

Leiterin Dezernat Arzthaftungsrecht, Rechtsanwältin, Fachanwältin für Medizinrecht, spezialisiert auf Geburtsschäden

Jan Tübben, Rechtsanwalt, Fachanwalt für Medizinrecht

Jan Tübben

Rechtsanwalt, Fachanwalt für Medizinrecht, Spezialist für Geburtsschäden

Quirnbach & Partner, Zweigstelle Köln

Wir sind jetzt auch in Köln für sie da!

Sie finden uns in der
Beethovenstr. 12, 50674 Köln
Tel.: 0221 – 6504 8880
E-Mail: koeln@ihr-anwalt.com
Termine gerne nach vorheriger Vereinbarung

„Danke … in der heutigen Zeit ein seltenes Wort.
Doch wir möchten es nutzen und Ihnen einfach Danke sagen.
Danke für die supergute Zusammenarbeit, die uns den Glauben an die Menschlichkeit wiedergab.
Danke für Ihr Verständnis. Danke für das, was ich vergessen habe zu erwähnen.“

aus der Rückmeldung unseres Mandanten A.M.

Fehler in der Schwangerschaftsvorsorge, unter der Geburt und der Neugeborenenversorgung

Gynäkologie, Geburtshilfe und Neonatologie (Neugeborenenmedizin) zählten schon immer zu den besonders haftungsrelevanten medizinischen Fachgebieten. Obwohl der medizinische Standard in Deutschland hervorragend ist, kommt es immer wieder zu Versäumnissen, deren Folgen für Mutter und Kind oft verheerend sind.

Selten können in anderen medizinischen Bereichen kleinste Fehler derart gravierende Auswirkungen haben wie in der Geburtshilfe. Kaum ein Patient ist jemals so anfällig für Verletzungen und schädigende Einflüsse, wie der Fetus oder das Neugeborene. Weil der Organismus noch nicht ausgereift ist, können schon geringfügige Beeinträchtigungen zu irreversiblen Schäden führen. Dieses Risiko steigt um ein Vielfaches, wenn es sich um ein Frühchen handelt, das aufgrund seiner Unreife besonders anfällig für äußere Einflüsse ist.

Die Mutterschaftsrichtlinien und Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) haben einen umfassenden Maßnahmen- und Behandlungspfad begründet, der eigentlich geeignet ist, jegliches Risiko von Mutter und Kind abzuwenden bzw. zu minimieren. Trotzdem kommt es immer wieder zu therapeutischen Versäumnissen, deren Folgen meist katastrophal sind.

Die Folgen sind nicht nur in menschlicher Hinsicht immens; sie sind es auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Haftpflichtversicherer müssen in Geburtsschadensverfahren oftmals Rückstellungen in Millionenhöhe einrichten, um das gesamte Ausmaß des Schadens durch den erhöhten pflegerischen Mehrbedarf abzufedern.

CTG, Kardiotokografie

Hinzu kommt, dass häufig nicht nur die Ansprüche des geschädigten Kindes, sondern auch die der Kranken- und Pflegekasse, sowie etwaiger Sozialhilfe- und Drittleistungsträger reguliert werden müssen.

Der außergerichtliche wie gerichtliche Rechtsstreit im Geburtsschadensrecht ist oft geprägt durch verhärtete Fronten, verzögertes Regulierungsverhalten und eine Vielzahl gutachterlicher Expertenmeinungen. Unsere Aufgabe ist es, hier den Überblick zu behalten und Sie kompetent auf dem Weg zum Erfolg zu beraten und zu begleiten. Dafür stehen Ihnen unsere seit Jahrzehnten im Bereich des Geburtsschadenrechts erfahrenen Spezialisten mit Rat und Tat zur Seite.

Bei Behandlungsfehlern in der Geburtshilfe sind Mutter und Kind die unmittelbar Geschädigten. Doch nicht nur sie, sondern die gesamte Familie leidet unter den häufig sehr schwerwiegenden Folgen der Geburt eines behinderten Kinds. Dieser besonderen Situation muss auch im Rahmen unserer anwaltlichen Tätigkeit Rechnung getragen werden.

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Unsere Ersteinschätzung ist für Sie
kostenlos und unverbindlich!

Die Situation der Eltern nach einem Geburtsschaden

Frühchen, Geburtsfehler

Neben der menschlichen Tragödie und dem menschlichen Leid, die mit der Geburt eines schwerstgeschädigten Kindes auch für dessen Eltern und Angehörige einhergehen, stehen in der zivilrechtlichen Auseinandersetzung zwangsläufig auch medizinische und finanzielle Gesichtspunkte im Zentrum.

Der Alltag mit einem behinderten Kind bedeutet eine erhebliche körperliche, psychische und nicht zuletzt auch finanzielle Belastung. Die Bewältigung dieser Situation stellt die Betroffenen rund um die Uhr vor schwer lösbare Aufgaben. Durch unser langjähriges Engagement im Geburtsschadensrecht und in der juristischen Beratung von Familien mit geburtsgeschädigten Kindern verfügen wir über die Erfahrung, Kompetenz und das Einfühlungsvermögen, um Sie in den juristischen Belangen professionell und menschlich zu beraten.

Wenn Ihr Kind unter der Geburt geschädigt wurde, verändert sich auch Ihr Leben von heute auf morgen und Sie werden mit ungeahnten Problemen konfrontiert. Nicht selten müssen private und berufliche Planungen zurückgestellt werden. Es gilt, den Alltag auf die Bedürfnisse eines womöglich schwerstgeschädigten Kindes ein- und auszurichten. Ausnahmslos ist dies mit Hürden und Kosten verbunden.

Ist die Schädigung Ihres Kindes keine Fügung des Schicksals oder Folge einer genetischen Disposition, sondern drängt sich – ggf. auch erst nach Monaten oder Jahren –  der Verdacht auf, dass es sich um die Folge ärztlicher Versäumnisse oder Fehler der Hebamme handelt, sind Sie ohne Wenn und Aber auf rechtlichen Beistand angewiesen. Es ist keinesfalls zu erwarten, dass die Verantwortlichen – Gynäkologen, Klinikärzte oder Hebammen – aus freien Stücken an Sie heranzutreten, um Fehler einzuräumen oder gar eine Regulierung anzubieten. Aus unserer jahrzehntelangen Erfahrung in der Regulierung von Geburtsschadensfällen wissen wir, dass ohne einen fundierten und substantiierten Begründungsaufwand keine Reaktion der Klinik, der Hebamme oder der Gynäkologen erwartet werden darf. Die Hürden liegen erfahrungsgemäß sehr hoch, da es im Geburtsschadensrecht nicht selten um Schadensersatz in Millionenhöhe geht.

Was wir für Sie tun können

Im Fokus unserer Tätigkeit steht zunächst die Aufgabe, Ihnen nach Auswertung der Krankenunterlagen eine realistische und verlässliche Einschätzung der Haftungsfrage zu geben.

Natürlich machen wir Sie mit etwaigen Kostenrisiken vertraut. Wir geben Ihnen bei positiver Einschätzung der Haftungsfrage einen Überblick über die möglichen Schadensersatzforderungen, immer auch vor dem Hintergrund geltender Rechtsprechung. Die Höhe der durchsetzbaren Forderungen kann dabei bundesweit  je nach Gerichtsort variieren, worüber wir Sie ebenfalls umfassend beraten.

Beim Schadensersatz geht es zum einen um die Bemessung eines angemessenen Schmerzensgeldes für Ihr Kind und zum anderen um die Bezifferung der materiellen Schäden in Form gestiegener personeller und sachlicher vermehrter Pflegebedürfnisse. Das Ziel ist dabei im Idealfall immer eine lebenslange Absicherung Ihres Kindes. Die Haftungssituation kann jedoch im Einzelfall Kompromisslösungen erforderlich machen. Kompetenter Rat ist daher unerlässlich, damit Sie Klarheit über mögliche Prozessrisiken erhalten.

Es ist uns ein wichtiges Anliegen, Ihnen und Ihrem Kind möglichst außergerichtlich zügig zum Erfolg zu verhelfen, um Ihnen einen langjährigen Prozess zu ersparen. Wir arbeiten eng mit erfahrenen und renommierten Sachverständigen und Privatgutachtern zusammen, die über umfassende Gerichtserfahrung verfügen und in aller Regel auch eine hohe Akzeptanz bei Gerichten haben.

Da sich ein Prozess nicht immer vermeiden lässt, vor allem wenn die Gegenseite mauert oder unkooperativ ist und eine Einigung bzw. sinnvolle Regulierung nicht zu erwarten ist, vertreten unsere Spezialisten im Geburtsschadensrecht Sie persönlich vor allen Land- und Oberlandesgerichten Deutschlands. In besonders komplexen Fallkonstellationen werden Sie auch von mehreren Kollegen unseres Anwaltsteams vertreten, ggf. auch in Begleitung privater Sachverständiger. Dies kann etwa im Rahmen einer aufwändigen Beweisaufnahme mit Anhörung der gerichtlich bestellten Sachverständigen der Fall sein. Häufig entscheidet sich das finanzielle Schicksal Ihres Kindes erst nach vielen Jahren außergerichtlicher Auseinandersetzung im Rahmen einer solchen Beweisaufnahme. Deshalb empfehlen wir Ihnen, hier immer den sichersten Weg zu gehen. Unsere Spezialisten stehen Ihnen hier mit Rat und Tat zur Seite.

„Im Arzthaftungsrecht und im Bereich der Geburtshilfeschäden hat sich die Mär von der Übermacht der Ärzteseite in den letzten Jahren immer mehr relativiert. Betroffene Patientinnen hinterfragen heute zum einen kritischer die Abläufe während der Schwangerschaft und unter der Geburt und nehmen das Schicksal ihrer Kinder seltener einfach nur hin. Es finden sich zum anderen zunehmend Gutachter, die bereit sind, einen Sachverhalt objektiv und neutral zu begutachten und ihr Verständnis eines guten klinischen wie außerklinischen medizinischen Standards ggf. auch vor Gericht zu verteidigen. Seriöse anwaltliche Arbeit und Sachverhaltsermittlung ist dabei häufig die Grundlage erfolgreicher medizinrechtlicher Arbeit.“

Rechtsanwalt Jan Tübben, Fachanwalt für Medizinrecht

Schmerzensgeld und Schadensersatz

Im Rahmen unserer außergerichtlichen Tätigkeit fordern wir die vollständigen Krankenunterlagen der Gynäkologen, Spezialzentren, Entbindungsklinik und Kinderklinik an, um diese dann umfassend auszuwerten und ggf. gutachterlichen Rat einzuholen.

Bei diesen Unterlagen handelt es sich um

  • Mutterpass
  • Ultraschallbefunde
  • Partogramm, Geburtsprotokoll
  • Geburtsjournal
  • CTG-Aufzeichnungen
  • Anästhesieprotokoll
  • Operationsbericht
  • Reanimationsprotokoll
  • Kinderuntersuchungsheft
  • Beatmungsprotokolle
  • Pflegedokumentation
  • Medikationsbögen.

Im Anschluss erhalten Sie von uns eine seriöse Einschätzung der Erfolgsaussichten und des zu erwartenden Arbeits- und Zeitaufwandes. Stellt sich die Fallkonstellation als sehr schwierig heraus, schalten wir zusätzlich Ihre Krankenversicherung ein, um eine Privatbegutachtung zu veranlassen.

Spätestens wenn Erfolgsaussichten bestehen, melden wir die Ansprüche Ihres Kindes bei dem oder den Anspruchsgegner(n) an und verhandeln nach besten Kräften über die Höhe der Schmerzensgeld- und Schadenersatzansprüche. Wir kämpfen mit vollem Engagement für Ihre Rechte – solange, bis eine sinnvolle außergerichtliche Regulierung erzielt ist oder ein Prozess geführt werden muss. Auch dann setzen wir uns zu einhundert Prozent für die Interessen Ihres Kindes ein – solange, bis ein Vergleich oder ein Urteil erzielt wurde.

Nur in seltenen Ausnahmefällen kommen wir möglicherweise auch zu dem Ergebnis, dass eine Verfolgung der Ansprüche keinen Erfolg hat. In einem solchen Fall würden wir Ihnen von einem Prozess bzw. einem langwierigen Rechtsstreit abraten.

Behandlungsbereiche aus der Gynäkologie und Geburtshilfe

In der Schwangerschaftsbetreuung und Geburtshilfe sowie auch im Kontext neonatologischer Versorgung eines neugeborenen Kindes sind in geradezu regelmäßig wiederkehrenden Abständen Standardverstöße zu monieren. Im Folgenden sollen einige besonders sensible Behandlungsbereiche aus der Gynäkologie und Geburtshilfe sowie der Neonatologie aufgezeigt werden, die durch Reglementierung in Mutterschaftsrichtlinien und Leitlinien eigentlich eine geringere Fehlerquote aufweisen sollten. Dennoch beschäftigen sie die Gerichte, Sachverständigen und Anwälte auf beiden Seiten immer wieder im Rahmen von Geburtsschadensprozessen.

Perinatal erworbener Hirnschaden

Im Zusammenhang mit der rechtlichen Auseinandersetzung trifft man häufig auf die Formulierung des perinatal erworbenen Hirnschadens bzw. Cerebralschadens oder auch der hypoxisch ischämischen Enzephalopathie (HIE). Es handelt sich hierbei streng genommen um die zeitliche Eingrenzung des möglichen Spektrums an Schadensursachen, also solche, die „um die Geburt herum“ zu suchen sind.

Das ist meist der Zeitraum von einem Tag vor der Geburt bis wenige Tage nach der Geburt, wobei dieser Fokus in der Auseinandersetzung um Geburtskomplikationen sicher schon zu kurz gegriffen ist, da Schädigungsmechanismen nicht selten bereits intrauterin, also im Mutterleib, geraume Zeit vor der Geburt wirken können. Oft bleiben diese aber trotz richtungsweisender Anamnese und erkennbarer Befunde infolge ärztlicher Versäumnisse der behandelnden Gynäkologen und Gynäkologinnen unentdeckt und es kommt zur Geburt eines geschädigten Kindes.

Sehr häufig treten Fälle intrauteriner Asphyxie auf, bei der das Kind im Mutterleib eine Sauerstoffmangelsituation mit dem Risiko irreparabler Hirnschädigungen erleidet. Es handelt sich hierbei um die klassischen perinatal erworbenen Hirnschädigungen, da in aller Regel akute Situationen unter der Geburt auftreten können, die mit einer Aspyhxie einhergehen können.

Pränataldiagnostik

Unterlassene, falsche oder unvollständige Beratung der Mutter vor und während der Schwangerschaft, etwa im Kontext diagnostischer Untersuchungen im Hinblick auf,

  • mögliche Miss- oder Fehlbildungen beim Kind,
  • Sterilität und Infertilität der Eltern,
  • möglichen Schwangerschaftsabbruch,
  • Bestehen einer Schwangerschaft,

die bei korrekter ärztlicher Behandlung und Beratung gegebenenfalls einen rechtmäßigen Schwangerschaftsabbruch zur Folge gehabt hätte, kann einen Anspruch der Eltern gegen den Gynäkologen oder die Gynäkologin auf Ersatz von Unterhaltsaufwendungen für das mit (oder auch ohne) körperliche oder geistige Behinderungen geborene Kind begründen.

Insbesondere die erweiterten Ultraschallscreenings, die bei Vorliegen eines Risikoprofils der Eltern indiziert sind, bergen die Gefahr einer Fehldiagnose mit der Folge falscher Beratung. In diesem Kontext sind auch medikamentenbedingte Fehlbildungen und die zugrundeliegende falsche Beratung der Mutter zu sehen.

Intrauterine Asphyxie bzw. kindlicher Sauerstoffmangel

Kindliche Notfälle unter der Geburt entstehen in erster Linie durch Störungen der Sauerstoffversorgung. Akute fetale Hypoxien können plazentare, mütterliche oder fetale Ursachen haben.

Eine akute oder latent progrediente Plazentainsuffizienz oder Plazentaablösung mit der Folge einer akuten oder eben schleichenden Mangelversorgung des Fetus findet sich bei der vorzeitigen Lösung der Plazenta und bei Nabelschnurkompression (auch bei der Nabelschnurumschlingung). Eine latente chronische Plazentainsuffizienz oder auch –ablösung mit eingeschränkter Kompensationsfähigkeit kann unter den Geburtswehen akut werden und eine gegebenenfalls auch tödliche intrauterine Asphyxie verursachen.

Als fetale Ursachen einer intrauterinen Asphyxie sind beispielhaft Fehlbildung, intrauterine Infektionen und Anämien zu nennen.Auch eine atypische oder pathologische Wehentätigkeit kann eine akute Mangelversorgung des Fetus auslösen.

Unabhängig davon, worin die Ursache der Sauerstoff-Mangelversorgung begründet ist, reagiert der Fetus darauf in aller Regel mit einem Mekoniumabgang, einer Beeinträchtigung seiner Herzfunktion, die wiederum im Kardiotokogramm (CTG) bei korrekter Ableitung mit allergrößter Wahrscheinlichkeit angezeigt wird. Auch eine korrekt durchgeführte Mikroblutuntersuchung (MBU) bzw. Blutgasanalyse (BGA), die zum Standardspektrum geburtshilflichen Handelns gehört, zeigt mit hoher Sicherheit eine pathologische Veränderung des Säure-Basen-Status im kindlichen Blut an. Eine Nichtreaktion auf einen auffälligen BGA bzw. MBU-Befund stellt eine erhebliche Standardunterschreitung und folglich einen schwerwiegenden Behandlungsfehler dar.

Die Nicht- oder Falschreaktion auf ein pathologisches CTG wird einheitlich als schwerwiegender Behandlungsfehler zu werten sein.

Schulterdystokie und Plexusparese

Die Schulterdystokie als Folge einer gestörten Geburtsmechanik ist eines der prominentesten forensischen Fallbeispiele und beschäftigt die Gerichte mit steter Regelmäßigkeit. Als Patientenvertreter mit dem Schwerpunkt Geburtshilfe kommt man nicht um folgende Feststellung herum: Alle Geburtshelfer reden über die Schulterdystokie, aber keiner weiß, wovon er redet und insbesondere redet keiner mit der Mutter!

Bei der Schulterdystokie kommt es zu einer gestörten Entwicklung des Kindes nach der Geburt des Kopfes, die fast regelmäßig mit der irreversiblen Lähmung des Plexus-Nervengeflechts (zwischen Hals und Schulter einer der oberen Extremitäten) verbunden ist, weil sich eine der kindlichen Schultern im Geburtskanal verhakt hat.

Da die Schulterdystokie mitunter von spezifischen anamnestisch fassbaren Faktoren, wie etwa einem (sonografisch) geschätzt makrosomen Kind oder dem Gestationdiabetes abhängt, ist sie mitunter kein überraschendes Ereignis und die Mutter gegebenenfalls schon frühzeitig über ihr spezifisches Risiko aufzuklären. Eine korrekt aufgeklärte Mutter zieht in der Regel die Kaiserschnittentbindung vor.

Kommt es dennoch zur vaginalen Entbindung mit der Folge einer Schulterdystokie, existiert ein klares abgestuftes Handlungskonzept, das bei korrekter Anwendung gut geeignet ist, das geburtshilfliche Hindernis atraumatisch und damit folgenlos zu überwinden. Die prominentesten Manöver sind:  McRoberts, suprasymphysärer Druck, Woods, Rubin, hintere Armlösung, Gaskin, Zavanelli.

Sämtliche dieser Manöver sind auf die Vermeidung von Zug-, also Traktionskräften ausgerichtet, weil keinesfalls Zug am kindlichen Kopf zur Überwindung der Schulterdystokie angewendet werden darf.

Geburtshelfern gelingt es leider häufig nicht, eine Schulterdystokie atraumatisch zu bewältigen. Kommt es beim Kind zu irreversiblen Plexuslähmungen, liegen häufig und nachweislich Dehnungs-, Zerreißungs- oder Ausrissverletzungen des Nervengeflechts C5 – Th1 vor. Das Ausmaß der Verletzung kann häufig im Rahmen eines indizierten operativen Eingriffs der Plexuslähmung festgestellt und dokumentiert werden.

Ausrissverletzungen bzw. Nervenrupturen und Konglomeratneurome indizieren häufig, dass ein kontraindizierter Zug auf die Nerven ausgeübt wurde, wo keiner stattfinden durfte. Häufig wird von Geburtshelfern die mit dem Zwischenfall einer Schulterdystokie überfordert sind am Kopf gezerrt, gezogen und gedreht, bis es zum irreparablen Nervenschaden beim Kind kommt.

Geburtsschaden

Die Feststellung eines derart massiven Traumas ermöglicht so auch im Prozess die Schließung einer Beweiskette, mitunter auch ohne den sicheren Nachweis eines konkret zu benennenden Behandlungsfehlers. Dies kann durchaus prozessentscheidend sein. Denn die bei der Schulterdystokie obligatorisch anzufertigende dezidierte Dokumentation des Zwischenfalls bietet sehr häufig keinerlei Informationen oder keinerlei Angriffspunkte, zumal die ärztliche Dokumentation sehr anfällig für Manipulation und Fälschung ist.

Vorzeitiger Blasensprung

Der vorzeitige Blasensprung (VBS) beinhaltet immer die Gefahr, dass sich die Schwerkraftverhältnisse im Mutterleib zu Lasten des Fetus verändern und hierbei evtl. auch eine Asphyxie bedingt.

Darüber hinaus ist mit dem VBS das Risiko verbunden, dass es insbesondere mit zunehmendem Zeitablauf zu aufkeimenden Infektionen kommt, die das Neugeborene je nach Reifestatus gefährden können. Zum VBS hat die DGGG einen klaren Behandlungspfad je nach Schwangerschaftsalter mit Therapie- und Diagnoseempfehlungen erstellt.

Drohende Frühgeburt

Die drohende Frühgeburt erfordert schon in einem frühzeitigen Schwangerschaftsstadium eine besonders engmaschige Führung und Überwachung der werdenden Mutter. Insbesondere bei prädisponierenden Faktoren wie

  • Alter der Mutter
  • Vorzeitiger Blasensprung
  • Mehrlingsschwangerschaft
  • Uterine Fehlbildungen
  • Zervixinsuffizienz
  • Infektionen
  • EPH-Gestose
  • Plazentainsuffizienz
  • Intoxikationen
  • Sozioökonomische Faktoren
  • Mangelernährung
  • Nikotinabusus

ist eine intensivierte Schwangerschaftsbetreuung unbedingt erforderlich und die Verlängerung der Tragzeit und damit das Aufschieben der Frühgeburtsbestrebungen häufig oberste Maxime ärztlichen Handelns. In Abhängigkeit von konkreten Krankheitsbildern oder Risikofaktoren kann auch das Erkennen des möglichst perfekten Entbindungszeitpunktes oberstes Handlungsziel sein, so dass gegebenenfalls die Verlängerung der Tragzeit kontraindiziert wäre. Man spricht dann auch vom „Balancing of risks“, also dem Abwägen der intrauterinen Risikofaktoren gegenüber dem Risiko der Frühgeburt und der mit ihr verbundenen möglichen Gesundheitsschäden eines besonders verletzlichen Frühchens.

Sicherlich gehören derartige Schwangerschaftssituation zu den komplexesten und anspruchsvollsten medizinischen Aufgaben, die in der modernen Geburtsmedizin bewältigt werden können. Unabdingbar ist dabei immer eine umfassende Information und Einbeziehung der werdenden Mutter, um die optimale Behandlungsstrategie auszuarbeiten.

Zu den haftungsrelevantesten medizinischen Risiken, die in eine möglicherweise vermeidbare Frühgeburt führen gehören:

Zervixinsuffizienz, bei der es zu einer zunehmenden Verkürzung und  Auflockerung des Gebärmutterhalses (Zervix) sowie einer Erweiterung des Zervixhalses kommen kann,

Zwillingsschwangerschaft, die schon aufgrund der gegenüber einer
Einlingsschwangerschaft veränderten Physiologie und darüber hinaus auch je nach der Differenzierung in di- und monochorial bzw. di- und monoamniotisch sowie bei Vorliegen eines diskordanten (also nicht gleichmäßigen) Wachstums beider Feten mit unterschiedlichen Gefährdungslagen verbunden sein kann,

Gestationsdiabetes, von der gesprochen wird, wenn eine Störung des
Kohlenhydratstoffwechsels während der Schwangerschaft auftritt oder erkannt wird (Glukosurie) und der mit dem Risiko eines hohen Kindsgewichtes mitsamt Folgemorbiditäten auch im Hinblick auf einen pathologischen Geburtsverlauf oder einen vorzeitigen Blasensprung und EPH-Gestosen verbunden ist,

EPH-Gestose, Präeklampsie, die bei der Symptomkonstellation von Ödemen,
Proteinurie und Hypertonie vorliegt und beim Vollbild eines eklamptischen Anfalls lebensbedrohende Folgen für Mutter und Kind haben kann. Besonders beobachtungspflichtig und abklärungsbedürftig sind Prodromalsymptome (Kopfschmerz, Schwindel, Sehstörungen, Übelkeit, epigastrische Schmerzen, Hyperreflexie, Unruhe, Bewußtseinstrübung),

HELLP-Syndrom, als akute Verlaufsform einer EPH-Gestose, welche fast
ausnahmslos nach Diagnose die umgehende Entbindung häufig mittels Notsectio erforderlich macht,

Intrauterine Wachstumsrestriktion (IUGR), die sich bei mangelnder Größenzunahme des Uterus bzw. Fetus oder unterdurchschnittlicher Gewichtszunahme der Mutter zeigt,

Amnioninfektionssyndrom (AIS), das aus einer Infektion der Fruchthöhle
oder Eihäute entstehen kann, mit dem Anstieg der Entzündungsparameter verbunden ist und in aller Regel einem Blasensprung nachfolgen kann.

Neben den besonderen Gefährdungslagen der Frühgeburt, können sich im Rahmen von Geburten jenseits der 36. bis 38. Schwangerschaftswoche auch in folgenden spezifischen gynäkologischen/geburtshilflichen Situationen Abweichungen von einem physiologischen Geburtsverlauf ergeben:

Beckenendlage

Hierbei handelt es sich um eine Lageanomalie, bei der nicht der Kopf des Kindes, sondern dessen Steiß der während und unter der Geburt führende ist und damit auch als erstes geboren wird. Es gibt mehrere Spielarten der Steißlage und sie erfordern ein abgestuftes Konzept geburtshilflicher Manöver, damit die natürliche, also vaginale Geburt erfolgreich geleitet werden kann. Alternativ bietet sich regelhaft die Entbindungsvariante mittels Kaiserschnitt an.

Übertragung

Diese liegt bei einer Überschreitung des errechneten Termins über die 42. Schwangerschaftswoche hinaus vor. Schon bei einer Überschreitung des errechneten Termins über die 40. Schwangerschaftswoche hinaus steigen mitunter spezifische Gefährdungslagen. Der Fetus wächst in dieser Zeit weiter und es kann zu einer relativen oder absoluten Insuffizienz der Plazenta kommen (Funktionseinschränkung durch Überalterung). Ab der 40. Schwangerschaftswoche ist daher auch bei ansonsten physiologischem Schwangerschaftsverlauf eine intensivierte Überwachung der werdenden Mutter nebst erweiterten diagnostischen Maßnahmen erforderlich. Zu achten ist in aller Regel auf die Fruchtwassermenge, die Wachstumsentwicklung, etwaigen Wachstumsstillstand, pathologische fetale Reaktionen im CTG u.a.

Zustand nach Sectio

Diese geburtshilfliche Konstellation bei welcher die werdende Mutter bereits einen Kaiserschnitt in ihrer Schwangerschaftsanamnese aufweist, erfordert ebenfalls eine engmaschige Überwachung der Schwangerschaft und Beratung der Gebärenden. Wenn nicht ohnehin die Empfehlung eines wiederholten Kaiserschnitts (Resectio) aus guten Gründen im Raume steht, bleibt die Begleitung einer solchen vaginalen Geburt bis zuletzt mit dem statistisch erhöhten Risiko einer Narben- oder Uterusruptur verbunden. Daraus kann fast automatisch eine akute fetale Gefährdungssituation resultiere, weil eine Unterbindung der Plazentaren Versorgung die Folge sein kann.

Vaginal-operative Entbindung

Der vaginal-operative Entbindungsmodus wird heute noch in den Varianten der Forzeps-, also Zangenentbindung sowie in Form der Vakuum-, also Saugglockenentbindung praktiziert und setzt eine geburtshilfliche Situation voraus, bei der die natürliche Geburt nicht risikofrei auf natürlichem Wege und aus eigenem Antrieb zu Ende gebracht werden kann. Es kann darüber hinaus eine Situation vorliegen, bei der die Geburt beschleunigt werden muss. Es liegt auf der Hand, dass in solchen Situationen immer auch die Frage einer Kaiserschnittentbindung zu thematisieren ist, die aber mitunter einen zu großen Zeitaufwand erfordern würde und daher unter Umständen keine Lösung ist

Notsectio/eilige Sectio

Die Notsectio ist eine geburtshilfliche Situation und Indikationslage, die fast ausnahmslos aus der Erwägung resultiert, dass sich der Fetus in einer akuten intrauterinen Gefährdungssituation befindet, z.B. weil das CTG pathologisch wurde oder weil eine starke vaginale Blutung bei der Mutter aufgetreten ist. Der Notkaiserschnitt unterliegt einem klar reglementierten Handlungsablauf der darauf abzielt, die Zeit zwischen der Entscheidung zum Kaiserschnitt und der Entwicklung des Kindes (E-E-Zeit) möglichst kurz zu halten. Die Vorgabe der DGGG zielt auf eine E-E-Zeit von 10, längstens und abhängig von der Klinikstruktur von 20 Minuten aus.

Die Vorstufe zur Notsectio ist die eilige Sectio, bei der die vermutete oder befundete Gefährdungslage noch einen größeren zeitlichen Spielraum erlaubt. Die Vorgaben des guten klinischen Standards (good clinical practice) gehen hier von einem Zeitintervall in Höhe von 30 Minuten bis zur Entwicklung des Kindes aus.

Wunschsectio

Die Sectio nach Wunsch stellt kaum ein juristisches Haftungsproblem, wenn die Operation fehlerfrei durchgeführt wurde. Problematisch wird die Situation allerdings, wenn die Mutter absprachewidrig letztendlich und entgegen ihrem erklärten Wunsch doch zur vaginalen Entbindung mit Schadensfolgen überredet wird. Grundsätzlich ist die Behandlungsseite an das Ergebnis einer einmal erfolgten Aufklärung und Entscheidung der Mutter gebunden.

Neugeborenennotfallmedizin/Neugeborenenreanimation

Kommt es zur Geburt eines schwerst geschädigten oder gefährdeten Kindes, aber auch wenn es zur Geburt eines zunächst kerngesunden Kindes kommt, das dann in den Stunden nach der Geburt noch verfällt, wird eine intensivierte Neugeborenenversorgung und gegebenenfalls auch Reanimation erforderlich. Auch bei der (geplanten oder ungeplanten) Geburt eines Frühchens wird regelhaft eine Neugeborenenintensivversorgung erforderlich.

Auch die Wiederbelebung eines deprimierten Neugeborenen (zu beurteilen anhand der APGAR-Werte, Puls-, Atmungs- und Herzfrequenz sowie anhand der Blutgasanalyse und im weiteren Verlauf anhand von EEG-Befunden, Schädelsonografien und gegebenenfalls MRT-Befunden) erfordert die Umsetzung eines etablierten und in einschlägigen Leitlinien niedergelegten Behandlungsalgorhythmus. Besondere Bedeutung kommt dabei der Anfertigung eines nachvollziehbaren Reanimationsprotokolls zu.

Überbeatmung

Sollten Neugeborene – insbesondere Frühchen – nach der Entbindung eine respiratorische Anpassungsstörung aufweisen, müssen Sie in geeigneten Perinatalzentren gegebenenfalls dauerbeatmet werden. Hierbei kommt es fast regelhaft zu Überbeatmungskomplikationen (Hyperventilation mit der Folge der Hypokapnie) in der Form von gefährlichen CO2-Absenkungen, die mit einer Minderdurchblutung des unreifen Gehirns einhergehen können und in der weitern Folge die Ursache hypoxisch-ischämischer Verletzungen des Gehirns sein können.

Periventrikuläre Leukomalazie (PVL)

Die periventrikuläre Leukomalazie ist eine Erkrankung des unreifen Gehirns Frühgeborener (obwohl mitunter auch Reifgeborene betroffen sein können), die als Folge einer gegebenenfalls auch nur vorübergehenden Sauerstoffmangelsituation (evtl. im CTG detektierbar) oder als Folge einer zytotoxischen Läsion, etwa im Gefolge eines infektiösen Prozesses, zu einer Verletzung der weißen Hirnsubstanz führt. Die betroffen Kinder leiden häufig, was typisch für diese konkrete Art neurologischer Schädigung ist, unter beinbetonten spastischen Tetraparesen, bei zugleich (aber nicht immer) erhaltenen intellektuellen und kognitiven Fähigkeiten.