Helmut Gräfenstein, Rechtsanwalt

Verkehrsopferhilfe e.V. – ein hilfreicher Garantiefonds

Wer haftet, wenn ein Geisterfahrer vorsätzlich einen schweren Unfall verursacht oder der Unfallgegner nach einem schweren Unfall Fahrerflucht begeht und nicht mehr zu ermitteln ist? Das sind Fragen, die uns in unserem Kanzleialltag immer wieder gestellt werden.

strassenverkehrIn solchen und ähnlichen Fälle kann der Geschädigte sich an die Verkehrsopferhilfe wenden. Der Verein wurde im Jahr 1955 als Fahrerfluchtfonds gegründet und wird seit dem Jahr 1963 unter dem Namen Verkehrsopferhilfe als eine Einrichtung der deutschen Autohaftpflichtversicherer fortgeführt.

Die Verkehrsopferhilfe fungiert als Garantiefonds und springt ein, wenn

  • der Schädiger nicht ermittelt werden kann;
  • für das Fahrzeug des Unfallgegners keine Haltpflichtversicherung besteht;
  • die Versicherung des Unfallgegners insolvent ist;
  • ein Unfall vorsätzlich herbeigeführt wurde bzw. das Auto als Waffe benutzt wurde.

Bei der Regulierung gibt es grundsätzlich keine Einschränkungen, jedoch beschränkt sich die Leistungsverpflichtung der Verkehrsopferhilfe auf die Mindestdeckungssummen in der Kfz-Haftpflichtversicherung. Das sind derzeit 7,5 Millionen EUR für Personen-, 1 Million EUR für Sach- und 50.000,00 EUR für Vermögensschäden. Bis zu dieser Summe gewährt die Verkehrsopferhilfe vollen Schadenersatz.

In Fällen von Fahrer- bzw. Unfallflucht, in denen der Fahrer bzw. das Fahrzeug nicht ermittelt werden können, gibt es lediglich eine sogenannte „Regulierung light“. Das bedeutet, dass der Sachschaden am Kfz nur dann erstattet wird, wenn auch ein beträchtlicher Personenschaden entstanden ist. Andere Sachschäden werden nur ersetzt, wenn der Betrag die Eigenbeteiligung von 500 Euro übersteigt. Schmerzensgeld wird nur bei sehr schweren Verletzungen gezahlt und es fällt zudem deutlich geringer aus als normalerweise üblich. Die Personenschäden dagegen werden ohne Einschränkungen ersetzt.

Die Verkehrsopferhilfe reguliert die Ansprüche nicht selbst, sondern überträgt diese Aufgabe einer der Kfz-Haftpflichtversicherungen aus dem Mitgliederbereich. Es ist Geschädigten daher dringend geraten, einen spezialisierten Anwalt mit der Wahrnehmung ihrer Rechte zu beauftragen. Die Anwaltskosten werden übrigens, wie bei einem „normalen Haftpflichtfall“ auch, von der Verkehrsopferhilfe getragen.

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  1. […] gehandelt hat, nicht eintrittspflichtig. Geschädigte können sich in diesem Fall an die Verkehrsopferhilfe, einen Fonds der deutschen Autohaftpflichtversicherer […]

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