Helmut Gräfenstein, Rechtsanwalt

Unfälle mit Kindern – Der Autofahrer haftet

„Augen auf im Straßenverkehr!“ Dieser Satz wird Kindern immer und immer wieder eingebläut. Denn Kinder müssen zur eigenen Sicherheit und zur Sicherheit anderer lernen, Gefahren und Konsequenzen im motorisierten Verkehr richtig einzuschätzen. Selbstverständlich ist es das oberste Ziel, Verletzungen zu vermeiden. Aber auch der Sachschaden kann schnell in die Höhe schießen, wenn z.B. ein ausweichender Autofahrer ein anderes Auto rammt. Nur in den seltensten Fällen gilt der mahnende Satz „Eltern haften für ihre Kinder“. Wer tatsächlich für den Schadensersatz aufkommt, zeigt der folgende Artikel.

Haftungsprivileg für Kinder
Es mag überraschend sein: Grundsätzlich gilt, dass ein Kind nicht haftet, wenn es unter sieben Jahre alt ist (§ 828 BGB). Ist das Kind zwischen sieben und zehn Jahre alt, haftet es im motorisierten Straßenverkehr nur, wenn es die Folgen seines Handelns einschätzen kann. Das ist in den Augen des Gesetzgebers nicht der Fall:  Kinder sind frühestens ab Vollendung des 10. Lebensjahres in der Lage, die besonderen Gefahren im Straßenverkehr zu erkennen und sich entsprechend zu verhalten.

Im „Zweiten Schadensrechtsänderungsgesetzes“ vom 1. August 2002 hat der Gesetzgeber daher ein sogenanntes Haftungsprivileg für Kinder unter zehn Jahren festgesetzt: Ein Kind haftet nur bei Vorsatz, z. B. wenn es Steine auf fahrende Autos wirft,  oder bei parkenden Autos, wenn es beispielsweise mit dem Fahrrad auf diese auffährt. Dieses Haftungsprivileg für Kinder gilt bei Unfällen mit motorisierten Fahrzeugen, nicht bei Zusammenstößen mit Fußgängern oder Radfahrern.

Wann haften Eltern für ihre Kinder?
Eltern haften nur dann für ihre Kinder, wenn sie ihre Aufsichtspflicht grob vernachlässigt haben. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat hierzu klargestellt, dass Eltern nach einem Unfall ihres Kindes im Regelfall nicht wegen Verletzung ihrer Obhutspflicht haftbar gemacht werden können. Ihnen stehe bei der Beaufsichtigung ihrer Kinder eine Haftungserleichterung zu,  abgesehen von Fällen grober Fahrlässigkeit.

Grundsätzlich haftet der Autofahrer
In der Konsequenz bedeutet das, dass ein Autofahrer bei einem Unfall mit Kindern unter zehn Jahren immer vollumfänglich haftet. Autofahrer müssen immer damit rechnen, dass sich Kinder nicht an die Straßenverkehrsordnung halten. Kommt es zu einem Unfall, muss der Fahrer die Schäden am  eigenen Auto selbst tragen und ist auch für eventuelle Verletzungen des Kindes verantwortlich. Dies selbst dann, wenn der Unfall für den Fahrer ein sogenanntes „unabwendbares Ereignis“ war. Die Haftpflicht der Eltern springt in diesem Fall nicht ein, da ein Kind unter zehn Jahren im Straßenverkehr ja nicht haftet.

Wurde das Kind bei dem Unfall verletzt, hat es gegenüber der Haftpflichtversicherung des Autofahrers Anspruch auf Schmerzensgeld und Schadensersatz für sämtliche erlittenen Schäden. Auch für Sachschäden, wie z.B. ein kaputtes Fahrrad, muss die gegnerische Versicherung zahlen.

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