Überschreitung der Deckungssumme im Haftpflichtschaden

Gerade bei schweren Personenschäden kommt es immer wieder vor, dass bei der Haftpflichtversicherung des Schädigers die Deckungssumme nicht ausreicht.

Das ist natürlich sehr ärgerlich, weil der Versicherungsnehmer, also der Schädiger, für den Schaden, der die Deckungssumme übersteigt, persönlich eintrittspflichtig ist. Da dies immer noch hohe Beträge sein können, die der Schädiger mangels entsprechendem Vermögen nicht zahlen kann, geht der Geschädigte in solchen Fällen häufig leer aus.

Nominelle Deckungssumme

Es muss deshalb unbedingt bedacht werden, dass die nominelle Deckungssumme grundsätzlich nicht identisch ist mit dem Betrag, den der Versicherer zur Begleichung des Schadens tatsächlich zahlen muss. Der Grund ist, dass aufgrund der Regelungen im Versicherungsvertragsgesetz (VVG) die in Rentenform geschuldeten Schadenersatzbeträge für die Ermittlung der Deckungssumme lediglich mit ihrem Barwert – einem zum Teil erheblich niedrigeren Betrag – zugrunde zu legen sind. Für den zu leistenden Schadenersatz bedeutet das umgekehrt, dass der Versicherer meistens zum Teil deutlich mehr zahlen muss, als nominell als Versicherungssumme vereinbart wurde. So kann es sein, dass der Versicherer bei einer Versicherungssumme von zum Beispiel 1.000.000,00 € durchaus bis zu mehreren hunderttausend Euro mehr zahlen muss.

Das ist nicht nur für den Geschädigten, sondern auch für den Versicherungsnehmer wichtig, weil er – wenn überhaupt – nur mit einem deutlich niedrigeren Betrag persönlich eintreten muss, als bei Begrenzung der Deckungssumme auf den nominellen Betrag.

Schon aus dieser Kurzdarstellung wird ersichtlich, dass es sich hier um ein ebenso wichtiges wie kompliziertes Thema handelt. Es sollte auf jeden Fall ein spezialisierter Anwalt beauftragt werden, um sicherzustellen, dass der Geschädigte auch tatsächlich die komplette zur Verfügung stehende Versicherungssumme erhält und gleichzeitig der Schädiger persönlich entlastet wird.

Helmut Gräfenstein, Rechtsanwalt


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