Sandra Deller, Rechtsanwältin

Neues aus Karlsruhe zur Tierhalterhaftung

Wird ein Schaden von mehreren Tieren verursacht, genügt für die Haftung der einzelnen Tierhalter, dass ihr Tier nur einen mittelbaren Beitrag hierzu geliefert hat.

Am 27.01.2015 hatte der Bundesgerichtshof (BGH) einen Fall zu entscheiden, bei dem ein Fahrradfahrer schwer verletzt wurde, weil eine Gruppe von fünf berittenen Ponys durchging und ihn dabei auf einem Feldweg zu Fall brachten. Durch den Sturz erlitt er eine Querschnittslähmung.

Sandra Deller, Rechtsanwältin

Rechtsanwältin Sandra Deller

Für den Schaden wurde die Halterin eines der Ponys verantwortlich gemacht, weil dieses ihm am nächsten gekommen war und so den Sturz konkret verursacht hatte. Die Tierhalterversicherung zahlte daraufhin mehr als 430.000,00 € an den Radfahrer. Danach klagte sie gegen die Halter der anderen vier Ponys, da nach ihrer Auffassung die anderen Tierhalter gleichermaßen für den Unfall verantwortlich waren.

Das Landgericht Frankfurt am Main gab der Klage statt. Das Oberlandesgericht hingegen hielt die Halterin des einen Ponys für alleinverantwortlich, da nur das eine Tier den Sturz konkret habe verursachen können. Der BGH hat die Entscheidung des Oberlandesgerichts nun mit seiner Entscheidung vom 27.01.2015 aufgehoben.

Nach Ansicht des BGH hätte die Tierhalterhaftung der anderen vier Ponybesitzer nicht ausgeschlossen werden dürfen. Grundsätzlich genüge für die Haftung des Tierhalters, dass sein Tier den Schaden lediglich mitverursacht hat. Da im vorliegenden Fall alle fünf Ponys zusammen durchgegangen seien, hätten die anderen vier Ponys den Schaden zumindest mittelbar verursacht.

Konkret bedeutet das, dass zum Beispiel das Pony, das als erstes durchgegangen ist und die anderen vier mitgezogen hat, den Schaden genauso verursacht hat wie das Pony, das dem Radfahrer letzten Endes so nahe gekommen ist, dass dieser stürzte.

Die Entscheidung des BGH ist durchaus vertretbar, wenn man bedenkt, dass bereits das Verhalten eines Tieres unberechenbar ist und sich diese Unberechenbarkeit aufgrund der Gruppendynamik, die Tiere meist entwickeln, noch weiter steigert.

Für die Schadensregulierung nach Unfällen mit Tieren bedeutet dieses Urteil eine enorme Erleichterung bei der Geltendmachung der Ansprüche. Der Geschädigte kann sich nun an nur einen der Tierhalter wenden und muss seine Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüche nicht mehr von allen verlangen. Die Versicherung kann dann von sich aus bei den anderen Tierhaltern Regress nehmen.

Sandra Deller, Rechtsanwältin

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