Tiergefahr versus Betriebsgefahr eines PKW

Sowohl bei der KFZ-Haftung als auch bei der Tierhalterhaftung handelt es sich um Bereiche der Gefährdungshaftung. Wer haftet, wenn beide Haftungsarten aufeinander treffen?

Das hatte im Mai 2014 das Amtsgericht Bad Kreuznach (Urteil vom 19.05.2014, Az. 23 C 428/13) zu entscheiden. In dem zugrunde liegenden Fall sprang ein Hund aus einem geparkten Fahrzeug und rannte auf die Straße. Die Autofahrerin, die zu diesem Zeitpunkt die Stelle passierte, konnte nicht mehr bremsen und erfasste den Hund, der schwer verletzt wurde und tierärztlicher Hilfe bedurfte. Der genaue Unfallhergang konnte nicht geklärt werden.

Der Hundehalter verlangte die Erstattung seiner Tierarztkosten von der Autofahrerin, die sich jedoch weigerte.

Zu Recht, entschied das Amtsgericht Bad Kreuznach. Nach dessen Ansicht stand dem Hundehalter kein Anspruch auf Schadensersatz zu. Da der genaue Hergang des Unfalls nicht rekonstruiert werden konnte, nahm das Amtsgericht eine Abwägung der Verursachungsbeiträge vor.

Auf Seiten der Autofahrerin stand dabei nur die gewöhnlich anzusetzende Betriebsgefahr des Fahrzeugs. Die wird normalerweise mit 25 % angesetzt und ist nur dann nicht zu berücksichtigen, wenn das Unfallereignis für den Fahrer nicht abwendbar war oder auf höherer Gewalt beruht.

Demgegenüber stand die Tiergefahr des Hundes, der aus dem Auto sprang und auf die Straße rannte. Diese schätzte das Amtsgericht deutlich höher ein als die Betriebsgefahr des Autos. Die Tiergefahr resultiert aus der Unberechenbarkeit des tierischen Verhaltens.

Zudem lastete das Gericht dem Hundehalter auch noch eine fahrlässige Verletzung seiner Sorgfaltspflichten an. Der hätte nämlich – so das Gericht – den Hund im Pkw oder aber direkt davor anleinen müssen. Da der Pkw in unmittelbarer Nähe zur Straße parkte, war die Gefahr, dass der Hund in Richtung Straße läuft, wenn er aus dem Auto springt, ganz klar erkennbar.

In dem vom Amtsgericht Bad Kreuznach entschiedenen Fall ist zum Glück niemand zu Schaden gekommen. Führt man die Kernaussage der Entscheidung jedoch konsequent weiter, bedeutet das, dass der Hundehalter von der Rückerstattung der Tierarztkosten weit entfernt war. Falls nämlich die Autofahrerin oder andere Verkehrsteilnehmer durch die Kollision mit dem Hund Verletzungen erlitten hätten, müsste der Hundehalter für die Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüche der verletzten Personen haften.

Sandra Deller, Rechtsanwältin

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