schnelles Schmerzensgeld

Einige Legal Tech-Startups versprechen Unfallopfern schnelles Schmerzensgeld ohne Kostenrisiko. Warum solche Botschaften mit Vorsicht zu genießen sind – und warum die große Gefahr besteht, viel Geld zu verschenken.

Eines vorab: Wir bei Quirmbach & Partner sind ausgewiesene Legal Tech-Fans. Wir setzen im Arbeitsalltag bereits seit vielen Jahren auf innovative digitale Technologien. Das macht uns und vor allem unseren Mandanten das Leben leichter und zahlt sich auch in finanzieller Hinsicht für beide Seiten aus. Denn Angebote wie unsere WebAkte und die von uns programmierten Datenbanken sorgen für schnellere Ergebnisse.

Legal TechTrotz unserer IT-Affinität beobachten wir mit großer Skepsis, dass derzeit Legal Tech-Plattformen aus dem Boden sprießen, die fast ausschließlich auf Technologie setzen.

Sicher, solche Angebote sind bisweilen sinnvoll. Denn sie ermöglichen Geschädigten, Ansprüche durchzusetzen, für die sie nicht extra einen Anwalt einschalten würden. Das betrifft etwa Entschädigungen für verspätete Flüge oder die Erstattung von Miet-Nebenkosten. In solchen einfachen Fällen können Legal Tech-Anbieter die Vorteile ihres Geschäftsmodells – schnelle Abwicklung ohne großen Aufwand – voll ausspielen.

„Im Personenschadensrecht ist juristisches Know-how genauso gefragt wie menschliches Einfühlungsvermögen.“ (Sven Wilhelmy, Rechtsanwalt und Partner)

Falsche Versprechungen

Personenschäden nach Unfällen sind aber eine ganz andere Liga. Das Rechtsgebiet ist hochkomplex, und die Fallkonstellationen sind so unterschiedlich wie die Menschen und ihre Schicksale. Zudem geht es in der Regel nicht um ein paar hundert Euro, sondern oft um sechs- oder gar siebenstellige Summen. Selbst die ausgereifteste Technik stößt da schnell an Grenzen.

Wer dennoch schnelles Geld verspricht, spielt meines Erachtens mit den Erwartungen der potentiellen Mandanten. So wirbt ein Legal Tech-Unternehmen mit einer weitgehend automatisierten und kostenfreien Abwicklung von Personenschadensfällen: „Mit wenigen Klicks kann man das eigene Schmerzensgeld durchsetzen oder den Verkehrsunfall abwickeln – und das ohne jedes Kostenrisiko!“, heißt es vollmundig.

„Wenn Versicherungen schnell zahlen, ist das ein klares Indiz, dass die Schmerzensgeldforderung deutlich zu niedrig war.“  (Martin Quirmbach, Rechtsanwalt)

Man habe die Fallbearbeitung „immer weiter automatisiert“ und auf diese Weise „Bearbeitungszeiten massiv reduziert“, werben die Verantwortlichen. Durch „maximale Geschwindigkeit und Effizienz“ erhielten Mandanten ihr Schmerzensgeld „häufig innerhalb von 3 statt 6 bis 8 Wochen“. Alleine diese Aussage ist entlarvend: Die meisten Wartezeiten entstehen dadurch, dass Unterlagen beschafft werden, Gutachten erstellt werden müssen und/oder auf die Antwort der Gegenseite oder des Gerichts gewartet werden muss. Selbst die beste eigene Technik verkürzt diese Wartezeiten nicht.

Hohes Tempo, mickriges Schmerzensgeld

Ich kann nur jedem raten, solche Werbebotschaften kritisch zu hinterfragen. Die wichtigste Frage dabei ist: Bekommen Opfer tatsächlich den Betrag, der ihnen zusteht – und der sie angemessen für ihren Schmerz und ihren Schaden entschädigt? Ich fürchte: nein.

Denn aus mehr als 35 Jahren Erfahrung als Anwalt für Opfer von Unfällen und Behandlungsfehlern weiß ich eines sehr genau: Versicherungen ziehen alle Register, um die Abwicklung zu verzögern. Wenn sie schnell einknicken, ist das ein klares Indiz, dass die Forderung deutlich zu niedrig ist.

Wer nach „maximaler Geschwindigkeit“ strebt, verschenkt deshalb oft bares Geld. Das Geld seiner Mandanten.

Ehrlichkeit, Einsatzbereitschaft, Empathie

Ich bin überzeugt: Im hochkomplexen Personenschadensrecht sind in besonderem Maße menschliche Qualitäten und Tugenden gefragt. Neben juristischer Kompetenz kommt es auf Einsatzbereitschaft, Ehrlichkeit (etwa bei der Einschätzung von Erfolgsaussichten) und nicht zuletzt auf Einfühlungsvermögen an: Wir bei Quirmbach & Partner interessieren uns für Menschen und ihre Schicksale. Wir hören genau zu und wollen sämtliche Facetten eines Falls erfassen. Das ist auch genau der Grund, warum wir die Nutzung von sogenannten Schmerzensgeldtabellen für wenig sinnvoll halten. Vielmehr sehen wir sie eher als Orientierungshilfe an. Kein Fall ist wie der andere. Es kommt immer auf den konkreten Menschen und die Umstände des Einzelfalls an.

Vertrauen zum AnwaltDas ist nicht nur ein Gebot der Menschlichkeit, sondern auch juristisch hochrelevant. Denn intensive Gespräche sind die Voraussetzung dafür, den Fall bestmöglich aufzubereiten. Und das ist keineswegs „nice to have“, sondern enorm wichtig, damit die Mitarbeiter der gegnerischen Versicherung und im Zweifel die Richter das Leid und die Schmerzen wirklich nachvollziehen können. Oftmals sind es gerade die vermeintlichen Kleinigkeiten, die den Fall zugunsten der Geschädigten entscheiden.

Denn machen wir uns nichts vor: Auch im digitalen Zeitalter entscheiden am Ende Menschen über Schmerzensgeld- und Schadensersatzansprüche. Neben den Paragrafen kommt es deshalb auf die prägnante, individuelle, überzeugende Darstellung des Falles an. Wer Standardtexte zusammenschustert, kommt garantiert nicht weit.

„Mandanten sind für uns keine anonymen Fälle. Wir verstehen uns auch als Berater und Ansprechpartner in schwierigen Lebenssituationen.“ (Melanie Mathis, Fachanwältin für Verkehrsrecht und Partnerin)

Auf die Menschen kommt es an

Unser Credo bei Quirmbach & Partner lautet deshalb: Digitale Technologien sind unverzichtbar, weil sie für schnellere und unkomplizierte Abläufe sorgen. Aber weitaus wichtiger für Unfallopfer sind Menschen, die

  • Erfolgsaussichten ehrlich einschätzen,
  • genau zuhören,
  • individuelle Strategien entwickeln,
  • hartnäckig für ein angemessenes Schmerzensgeld kämpfen und
  • sich über juristische Fragen hinaus als Begleiter in schwierigen Lebenssituationen verstehen.

Das kann auch die beste IT nicht lernen.

Thomas Gfrörer, Rechtsanwalt und Gründungspartner