Helmut Gräfenstein, Rechtsanwalt

Schmerzensgeld – Entschädigung für verlorene Lebensqualität

Nach einem schweren Unfall oder einem Behandlungsfehler haben Geschädigte nicht nur Anspruch auf Schadensersatz, sondern auch auf Schmerzensgeld. Schmerzensgeld ist die Entschädigung für die immateriellen Schäden wie beispielsweise verlorene Lebensqualität und Lebensfreude.
Zwar kann auch ein noch so hohes Schmerzensgeld die Gesundheit nicht zurückbringen, doch verbessert es die wirtschaftliche Situation deutlich. Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass eine entspannte und gesicherte finanzielle Situation sehr viel zur Genesung und zur Verbesserung der gesundheitlichen Situation beiträgt. Damit dies geschehen kann, muss die Gegenseite erste Abschlagszahlungen auf das Schmerzensgeld leisten, sobald die Haftung feststeht und die Schadenshöhe überschaubar ist. Denn, so die Rechtsprechung, nur dann kann das Schmerzensgeld seine Funktion am besten erfüllen. Der Geschädigte soll spüren, dass er nicht alleine gelassen wird.

Schmerzensgeld und Schmerzensgeldtabellen
Der Anspruch auf Schmerzensgeld wird jedoch in den seltensten Fällen wirklich korrekt dargestellt. Was ist ein angemessener Betrag für jemanden, der nach einem Unfall querschnittgelähmt im Rollstuhl sitzt oder im Wachkoma liegt, der nach einer fehlerhaften Behandlung mit schwersten gesundheitlichen Folgeschäden leben muss? Für solche Schicksalsschläge kann kein Schmerzensgeldbetrag „angemessen“ sein.
Schmerzensgeldtabellen sind nach unserer Auffassung kein geeignetes Mittel, um die Ansprüche zu beziffern. Die Auswahlkriterien für die Aufnahme einer Entscheidung in diese Tabellen sind rein willkürlich, sie haben weder einen wissenschaftlichen Hintergrund noch eine statistische Grundlage. Schmerzensgeld und SchmerzensgeldtabellenAuch in der Rechtsprechung wird mehr und mehr die Auffassung vertreten, dass Schmerzensgeldtabellen allenfalls eine erste Orientierungshilfe sein können. Maßgebend ist stets die individuelle Beeinträchtigung, wichtig für die Beurteilung sind die Schwere der Verletzung, die Dauer der Behandlung, die Zukunftsprognose und die Frage, ob Dauerschäden bestehen bleiben. Auch die psychische Seite wie Ängste und Nöte, zerstörte Lebensträume, gescheiterte Beziehungen, Verlust und Einsamkeit, soziale Isolierung, Depression und jahrelange Therapie spielt eine große Rolle und darf nicht übersehen werden.

Ein Stück Lebensqualität
Ein Leben in Gesundheit kann durch Geld nicht wiederhergestellt werden. Jedoch bietet ein hoher Schmerzensgeldbetrag zumindest zum Teil die Chance auf ein Stück mehr an Lebensqualität und Lebensfreude. Dies bestätigen uns auch die Rückmeldungen der Mandanten, die wir vertreten haben:
„Mit dem Schmerzensgeld kann ich nun beruhigt in die Zukunft schauen, sollte ich irgendwann aufgrund meiner Unfallfolgen nicht mehr arbeiten können (was ich nicht hoffe)…“
„Denn durch Sie, Herr Quirmbach, hat meine Mutter wenigstens im Moment keine finanziellen Sorgen, auch wenn das Geld an der Gesundheit nichts ändert, aber es beruhigt wenigsten ein wenig.“
„Wir hatten die vage Aussicht auf eine kleine 4-stellige Summe Schmerzensgeld. Heute können wir einigermaßen zuversichtlich in die Zukunft schauen und mit einer für uns unvorstellbaren 6-stelligen Summe wirtschaften.“

Wieviel Schmerzensgeld?
Die Höhe des Schmerzensgeldes hängt dabei immer vom Einzelfall ab. So haben wir für einen Mandanten, der nach einem Überfall schwerste Schädelverletzungen erlitt und viel zu spät behandelt wurde, 400.000 Euro Schmerzensgeld erstritten. Einem Mandanten, der bei einem unverschuldeten Verkehrsunfall schwere Verletzungen erlitt und seither erwerbsunfähig ist, wurden 250.000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen. Ein jugendlicher Mandant, der auf dem Weg zur Schule von einem Lastwagen überrollt wurde und u.a. schwere Trümmerbrüche an Becken und am Oberschenkel erlitt, erhielt 100.000 Euro Schmerzensgeld.

Weitere Ansprüche aus Personenschäden
Der Anspruch aus Personenschäden hängt stets auch mit anderen Schadenersatzansprüchen zusammen, die erstaunlich oft nicht berücksichtigt werden. Ob es sich dabei um Pflege- und Betreuungskosten, besondere Aufwendungen, Haushaltsführungsschaden, Verdienstausfall, vermehrte Bedürfnisse handelt – nicht selten machen diese Schadenersatzansprüche einen sehr hohen Betrag aus, vor allem dann, wenn ein Dauerschaden eingetreten ist und z.B. der Verdienstausfall bis zum Rentenalter und Haushaltsführungsschaden oder Betreuungskosten lebenslang gezahlt werden müssen.

Unsere hoch spezialisierten Anwälte verfügen sowohl über die juristischen als auch die medizinischen und psychologischen Kenntnisse, um die einzelnen Puzzlesteine zu einem Gesamtbild zusammenzufügen und das für die Mandanten optimale Ergebnis zu erreichen.

1 Antwort
  1. Seelsorger
    Seelsorger says:

    Sehr interessanter Beitrag, vielen lieben Dank! Ich kann mir das gut vorstellen, wie gross die Belastung danach ist. Man hört ja immer wieder, dass eine posttraumatische Belastungsstörung eintreten kann und die ist sicherlich nicht angenehm…

    Antworten

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