Valeska Strunk, Rechtsanwältin

Mithaftung bei nicht aufgestelltem Warndreieck?

Nach einem Verkehrsunfall müssen die Beteiligten unter anderem den Verkehr sichern und bei geringfügigem Schaden das Fahrzeug unverzüglich beiseite fahren (§ 34 Abs. 1 Nr.2 StVO). Sicherung des Verkehrs heißt, dass außer dem Anschalten der Warnblinkanlage grundsätzlich auch ein Warndreieck aufgestellt werden muss, und zwar an einer Stelle, die gut einsehbar und an der das Unfallfahrzeug schon aus mehreren 100 Metern Entfernung erkennbar ist.

Valeska Strunk, Rechtsanwältin

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Meist wird an das Anschalten der Warnblinkanlage gedacht, doch das Aufstellen eines Warndreiecks wird häufig vergessen, da man sich einer weiteren Gefahrensituation nicht bewusst ist. Fährt dann ein unaufmerksamer Verkehrsteilnehmer auf das Unfallfahrzeug auf, wendet die gegnerische Haftpflichtversicherung oft ein Mitverschulden aufgrund des Nichtaufstellens eines Warndreiecks ein.

Ob jedoch dieses Mitverschulden tatsächlich gegeben ist, muss im Einzelfall geprüft werden. Das Landgericht Münster (AZ: 02 O 31/13) führt zu dieser Frage aus, dass zur Beurteilung der Pflicht des Aufstellens eines Warndreiecks die Wertung des § 15 StVO im Rahmen des § 34 StVO übernommen werden kann. Nach § 15 StVO ist das Aufstellen eines Warndreiecks dann erforderlich, wenn ein PKW an einer Stelle liegen bleibt, an der er nicht rechtzeitig als stehendes Hindernis erkannt werden kann.

Warndreieck

© Bernd Leitner – Fotolia.com

Ist jedoch das Unfallfahrzeug bereits aus mehreren hundert Metern klar zu erkennen, kann es sein, dass kein Mitverschulden gegeben ist, selbst wenn vergessen wurde, das Warndreieck aufzustellen. Es gilt damit auch die Wertung des OLG Karlsruhe (AZ: 14 U 146/009), das ebenfalls davon ausging, dass, falls ein Warndreieck nach den gegebenen Umständen die Warnsituation nicht verbessern kann, das Nichtaufstellen des Warndreiecks nicht vorwerfbar ist.

Um jedoch auf der sicheren Seite zu sein, sollte bei einem Unfall immer daran gedacht werden, ein Warndreieck aufzustellen.

Valeska Strunk, Rechtsanwältin

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