Kapitalisierung von Renten in der andauernden Niedrigzinsphase

Der Blogbeitrag Kapitalisierung von Ansprüchen zeigt, dass der Abfindungsbetrag bei Kapitalisierungen entscheidend von dem gewählten Zinsfuß abhängt: Wird ein höherer Zinsfuß gewählt, ist der Abfindungsbetrag entsprechend niedrig, während bei einer niedrigeren Verzinsung die Abfindung höher ausfällt.

Obwohl wir seit vielen Jahren in einer Niedrigzinsphase leben, versuchen manche Versicherer und auch der Versicherungswirtschaft nahestehende Fachbuchautoren, den Geschädigten zu suggerieren, dass bei Kapitalisierungen von Schadensersatzansprüchen noch immer ein Zinsfuß von 5 % angemessen sei.

Kapitalisierungstabellen: Ersatzansprüche bei Personenschäden richtig berechnen

Natürlich ist das schon lange nicht mehr haltbar, insofern ist sich die Literatur auch weitgehend einig. Allerdings kommt seit einiger Zeit vermehrt von dem einen oder anderen Versicherer das Argument, dass die Niedrigzinsphase bald ein Ende habe und schon bald mit höheren Zinsen zu rechnen sei. Würde man das akzeptieren, käme man zu z.T. deutlich geringeren Abfindungsbeträgen als bei Zugrundelegung niedriger Zinsfüsse.

Nunmehr hat die Europäische Zentralbank entschieden, dass sie in Zukunft zwar weniger Anleihen als bisher kaufen will – dies aber für längere Zeit. Dies wurde dankenswerterweise in der FAZ ausführlich beschrieben und erläutert.

Im Ergebnis heißt das nach Einschätzung von Finanzexperten, dass es noch über viele Jahre hinweg keine höhere Zinsen geben wird.

Geschädigte sollten sich also auf gar keinen Fall auf die Behauptung einlassen, die Zinsen würden steigen. Sie sollten stattdessen darauf drängen, dass auch bei längeren Laufzeiten mit niedriger Verzinsung kapitalisiert wird.

Helmut Gräfenstein, Rechtsanwalt

0 Kommentare

Ihr Kommentar

Möchten Sie uns Ihre Meinung zu diesem Thema sagen?
Hinterlassen Sie einen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.