Helmut Gräfenstein, Rechtsanwalt

Insassenunfallversicherung – Pro oder Contra

Von allen denkbaren Versicherungen ist die Insassenunfallversicherung wohl diejenige, die am wenigsten bekannt ist. Und doch ist sie in ganz vielen Kfz-Versicherungsverträgen enthalten – ohne dass sich der Kfz-Halter dessen überhaupt bewußt ist.

Rechtsanwalt Helmut GräfensteinSie ist in ihren Entschädigungsleistungen der allgemeinen Unfallversicherung ähnlich. Sie ist jedoch nicht personenbezogen, sondern grundsätzlich an die Benutzung eines bestimmten Kraftfahrzeugs gebunden und kann in zwei Varianten abgeschlossen werden: entweder pauschal, d.h. es wird eine Gesamtversicherungssumme festgelegt, die im Schadensfall entsprechend der Anzahl der Insassen anteilig berechnet wird. Alternativ kann das Platzsystem gewählt werden, bei dem jeder oder ein einzelner Platz (meist der des Fahrers) des Fahrzeugs separat versichert wird.

Die Insassenunfallversicherung wird meist als eine der Versicherungen angesehen, die nicht zwingend notwendig sind und die man sich, so wird oft gesagt, eigentlich sparen kann. Das mag sein, doch das Interessante dabei ist, dass sie häufig – vom Versicherungsnehmer unbemerkt, weil der Preis kaum ins Gewicht fällt – in den KFZ-Versicherungsvertrag mit aufgenommen wird. Sie ist also in vielen Haftpflichtverträgen enthalten, ohne dass das dem Versicherungsnehmer, geschweige denn den versicherten Insassen bewusst ist.

Die Leistungen der Insassenunfallversicherung
Leider wird die Beschreibung der Leistungen der Insassenunfallversicherung immer wieder falsch dargestellt. Richtig ist, dass Kfz-Haftpflicht und Unfallversicherungen, egal ob beruflich oder privat abgeschlossen, grundsätzlich nebeneinander bestehen und unabhängig voneinander eintrittspflichtig sind. Es gibt keine Überschneidungen mit anderen Versicherungen, denn die Insassenunfallversicherung erbringt die Leistungen zusätzlich zu anderen Versicherungen. Daher ist die sehr pauschale Bewertung als überflüssige Versicherung durchaus zu hinterfragen. Letztendlich muß jeder für sich entscheiden, ob ihm der zusätzliche Versicherungsschutz vom Risiko her die zusätzliche – wie gesagt, relativ geringe – Prämie wert ist.

Wir informieren unsere Mandanten grundsätzlich über diese Besonderheit. Bei Verletzungs- oder gar Todesfällen sollte unbedingt bei dem KFZ-Haftpflichtversicherer oder dem Halter des Fahrzeuges, in dem der Verletzte saß geklärt werden, ob es für dieses Fahrzeug auch eine Insassenunfallversicherung gibt. In diesem Fall machen wir die unseren Mandanten zustehenden Leistungen dann auch in vollem Umfang geltend.

Helmut Gräfenstein, Rechtsanwalt, Spezialist für Unfallopfer und Unfälle mit Geisterfahrern

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