Sandra Deller, Rechtsanwältin

Freizeitvergnügen auf betrieblichen Tagungen nicht gesetzlich unfallversichert

Verletzt sich ein Mitarbeiter während einer betrieblichen Tagung bei einer Freizeitaktivität, ist er nicht gesetzlich unfallversichert. Das hat das Hessische Landessozialgericht am 20.07.2015 entschieden.

Sandra Deller, Rechtsanwältin

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In dem zu entscheidenden Fall stürzte ein 49-jähriger Mann im Rahmen einer Führungsfachkräftetagung beim Skifahren und zog sich dabei eine Schulterverletzung zu. Der Verletzte leitete die zentrale Kundenbearbeitung einer europaweit agierenden Firma mit insgesamt 280 Beschäftigten.

Die Berufsgenossenschaft lehnte die Anerkennung des Unfalls als Arbeitsunfall ab. Nach ihrer Ansicht hatte sich der Unfall zwar während des Zeitraums der Tagung ereignet, jedoch im Rahmen einer speziellen Freizeitaktivität, die als unversicherte private Tätigkeit einzustufen ist. Die Tagung war auch nicht als betriebliche Gemeinschaftsveranstaltung zu sehen, da nur ein kleiner Kreis der insgesamt 280 Beschäftigten teilnahm.

Sowohl das zuständige Sozialgericht als auch das Hessische Landessozialgericht gaben der Berufsgenossenschaft Recht. Das Skifahren selbst habe in keinem Zusammenhang mit der versicherten Tätigkeit des Angestellten gestanden, da es in einem vom Tagungsprogramm abgegrenzten Freizeitbereich stattfand. Zudem war die Teilnahme am Skifahren nicht verbindlich, es seien auch nur 9 der insgesamt 18 Tagungsteilnehmer an dem Vormittag auf der Skipiste gewesen.

Hieran ändert auch nichts, dass das Unternehmen den Skipass gezahlt hat. Urlaubs- und Freizeitaktivitäten stehen selbst dann nicht unter dem gesetzlichen Versicherungsschutz

Im Ergebnis ist das Urteil des Hessischen Landessozialgerichts durchaus nachvollziehbar, da nicht jede Aktivität im Rahmen von Tagungen, Fortbildungen und Ähnlichem zwangsläufig einen Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit hat. Der Fall wäre sicher anders zu entscheiden gewesen, hätte das Skifahren zum Beispiel als ein Training zum Teambuilding mit auf der Tagesordnung gestanden.

Für Angestellte bedeutet dies allerdings auch, dass ganz genau zwischen Aktivitäten im Rahmen der beruflichen Tätigkeit und Freizeitaktivitäten unterschieden werden muss. Hier sind die Grenzen oft fließend. In vielen Fällen wissen Verletzte nicht, dass sie auch gesetzlich unfallversichert sind. Nach diesem Urteil des Hessischen Landessozialgerichts ist die Abgrenzung, wann ein Angestellter gerade nicht mehr unfallversichert ist, nicht immer einfach. Hier kann im Schadensfall ein Anwalt für Sozialrecht weiterhelfen.

Da viele Unfälle auch unter Fremdbeteiligung geschehen, können neben den Ansprüchen gegen die gesetzliche Unfallversicherung auch Ansprüche gegen den Schädiger bestehen. Ob dies der Fall ist und welche Schadenersatz- und Schmerzensgeldansprüche bestehen, kann Ihnen ein auf die Durchsetzung von Personenschäden spezialisierter Anwalt beantworten.

Sandra Deller, Rechtsanwältin

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