Sandra Deller, Rechtsanwältin

Die neuen Sterbetafeln sind erschienen

Am 22.04.2015 hat das Statistische Bundesamt die lange erwarteten neuen Sterbetafeln veröffentlicht. Diese werden in der Regel einmal pro Jahr aktualisiert und den veränderten Verhältnissen angepasst. Die neuen Sterbetafeln zeigen, dass sich der Anstieg der Lebenserwartung weiter fortsetzt. Für Geschädigte ist das von großer Bedeutung, weil damit sowohl die Laufzeit der Renten als auch die Höhe der Kapitalabfindungen steigt.

Sandra Deller, Rechtsanwältin

Rechtsanwältin Sandra Deller,

Die erste amtliche Sterbetafel für das Deutsche Reich galt für die Jahre von 1871 bis 1881. Seither werden jeweils im Anschluss an eine Volkszählung allgemeine Sterbetafeln erstellt. Eine Sterbetafel ermöglicht die zusammenfassende Beurteilung der Sterblichkeitsverhältnisse einer Bevölkerung unabhängig von ihrer Größe und Altersstruktur. Man kann daraus ableiten, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein bestimmtes Alter erreicht wird, ebenso die Sterbewahrscheinlichkeiten für jedes mögliche Lebensalter. Darüber hinaus gibt die Sterbetafel Auskunft über die geschlechtsspezifische durchschnittliche Lebenserwartung in den einzelnen Altersjahren. Sterbetafeln dienen auch als Planungsgrundlage, beispielsweise im Gesundheits- und Pflegesektor, aber auch bei den Lebensversicherern.

Sterbetafeln spielen in der Personenschadenregulierung eine wichtige Rolle, denn sie sind die Grundlage für die Berechnung von zukünftigen Schadensersatzansprüchen, sei es bei der Rentenzahlung oder bei der Kapitalabfindung. Mit Hilfe mathematischer Formeln werden anhand der Sterbetafeln die sog. Kapitalisierungsfaktoren errechnet, die wiederum Grundlage für die Errechnung von Rentenzahlungen oder Kapitalabfindungen sind.

Die Renten der einzelnen Schadenspositionen haben unterschiedliche Laufzeiten. Für den Verdienstausfall beispielsweise wird die Schadenersatzrente immer bis zum Beginn des mutmaßlichen Eintritts in den Ruhestand gerechnet, der vom Gesetzgeber festgelegt ist.

Der Haushaltsführungsschaden oder auch der Mehrbedarfsschaden dagegen kann bis zum Lebensende fortbestehen. Ein festes Datum gibt es hier nicht, so dass auf die voraussichtliche Lebenserwartung zurückgegriffen werden muss. Die wiederum kann nur anhand der Sterbetafeln prognostiziert werden.

Sandra Deller, Rechtsanwältin

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