„Zeit ist unsere beste Mitarbeiterin“

Im ARD Tatort „Auge um Auge“ vom 12.11.2017  ging es um das Regulierungsverhalten von Versicherern. Die dahinterstehende Problematik wurde ohne Übertreibung auf den Punkt gebracht. Ein querschnittsgelähmter selbstständiger Unternehmer wird um seine Berufsunfähigkeitsversicherung betrogen, weil man behauptet, er könne ja schließlich noch arbeiten, er sei zu 100% erwerbsfähig. Nachdem ein Selbstmordversuch gescheitert ist, sagt die Ehefrau das Treffende: „Das wollen die doch nur!“ In der Versicherungssprache heißt dies: „Die natürliche Lösung“. Ein Mitarbeiter trifft den Kern der Sache: „Chefin, Sie wissen doch, Zeit ist unsere beste Mitarbeiterin“. Weiterlesen

Nach einem Verkehrsunfall müssen Geschädigte nicht nur lernen, mit den Verletzungen und den daraus resultierenden Beeinträchtigungen zurechtzukommen, Darüber hinaus müssen sie sich auch mit dem gegnerischen Versicherer wegen der Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüche auseinandersetzen. Nicht selten werden sie dabei vom Versicherer gedemütigt: Die Verletzungen und Beeinträchtigungen werden nicht ernst genommen, die Schadensregulierung stagniert, die Nerven liegen blank. Das belastet nicht nur die Psyche, sondern hat auch negative Folgen für die körperliche Genesung. Weiterlesen

Im Mai 2016 hat das Oberlandesgericht (OLG) Hamm einer 19-jährigen Frau für eine Sehverschlechterung ein Schmerzensgeld in Höhe von 80.000 Euro zugesprochen (OLG Hamm, Urteil vom 10.05.2016, Az. 1626 U 107/15).

Das Besondere an dem Urteil ist, dass es sich hier um ein Teilschmerzensgeld handelt. Das OLG Hamm hat hierzu betont, dass es mit dem Schmerzensgeld bewusst nur das Risiko der Erblindung erfasst hat. Die potentielle tatsächliche Erblindung sei noch nicht berücksichtigt, da diese noch nicht sicher absehbar sei. Sollte sie eintreten, wird also noch eine Aufstockung des Schmerzensgeldes in Aussicht gestellt. Weiterlesen

In den letzten Jahrzehnten ist in der Rechtsprechung die Tendenz zu beobachten, deutlich höhere Schmerzensgelder für Schwerstverletzte auszuurteilen, als dies früher der Fall war. Bis 1992 wurden Schwerstgeschädigte, deren Schädigung mit einer Zerstörung bzw. schweren Beeinträchtigung der Persönlichkeit verbunden war, mit ganz geringfügigen bzw. symbolischen Schmerzensgeldern bedacht. Damals ging die obergerichtliche Rechtsprechung davon aus, dass der Geschädigte aufgrund seiner Beeinträchtigung nicht in der Lage sei, die durch das Schmerzensgeld beabsichtigte Genugtuung zu empfinden. Weiterlesen

Unsere Verhandlung mit Haftpflichtversicherern haben in der Regel das Ziel, einen Abfindungsvergleich herbeiführen. Das bedeutet, der Mandant erhält eine Einmalzahlung, die alle Schäden aus der Vergangenheit und für die Zukunft berücksichtigt. Ein solcher Abfindungsvergleich ist für Betroffene meist die richtige Wahl, denn ein erfolgreicher Abschluss verbessert nicht nur die wirtschaftliche Situation der Geschädigten, sondern auch die psychische und die physische Belastungssituation. Weiterlesen

Der tragische Absturz der Germanwings-Maschine ist uns allen noch deutlich im Gedächtnis. Das juristische Nachspiel ist noch lange nicht beendet.
In einem Beitrag in Spiegel Online vom 15.07.2015 äußerst sich Michael Graziano, Professor für Zivilrecht an der Universität Genf mit Schwerpunkt Internationales und Vergleichendes Privatrecht, zu der Frage des Angehörigen-Schmerzensgeldes und der geplanten gesetzlichen Änderung.

Im Folgenden fasse ich die Ausführungen von Herrn Professor Graziano zusammen, denen ich in jedem einzelnen Punkt zustimme. Weiterlesen

Die Schlagzeile eines Artikels in der ZEIT von Sonntag, 19.07.2015, lautete: „Angehörige fordern deutlich höhere Entschädigungen von Lufthansa.“
Folgt man dem Inhalt des Beitrags, hat die Lufthansa jedem Angehörigen der Opfer des Germanwings-Absturzes ein pauschales Schmerzensgeld in Höhe von 25.000 Euro angeboten. Die Anwälte der Hinterbliebenen verhalten sich zum Teil, wie man dies von Opfer-Anwälten kennt. Sie schreien „Unverschämtheit, viel zu wenig“ und wollen mehr und mehr, z.B. 100.000 € für jedes Opfer. Und auch der Kreis der Angehörigen soll ausgeweitet werden. Großeltern, Enkel und Geschwister müssten einbezogen sein. In einem anderen Interview forderte genau dieser Opfer-Anwalt eine Entschädigung pro Hinterbliebenen von 200.000 €. Weiterlesen

Das Schicksal unserer Mandantin, Frau G. aus H., ist mehr als berührend, selbst für uns, die wir schwerste Schicksale täglich sehen und miterleben. Bei dem Abschlussgespräch nehmen wir uns Zeit, Rechtsanwalt Martin Quirmbach, seine Frau Konstanze Quirmbach (psychologische Beratung in der Kanzlei) und ich. Wir lassen Frau G. erzählen, hören ihr noch einmal zu, lassen uns mitnehmen in ihren Schmerz, ihre Depression, ihren Kampf, ihren Sieg über das Schicksal. Sie schildert uns ihren Leidensweg und ihre persönliche Tragödie. Weiterlesen

Ein Aufruf gegen das häufig zögerliche Regulierungsverhalten einiger Versicherer

Sonntagmorgen, ich bin auf dem Weg zur holländischen Insel Ameland, zusammen mit meiner Husky-Hündin Mia. Eine Woche Intensivtraining Mensch und Hund. Hier herrscht kaum Verkehr. Zartes helles Grün, Frühlingsgrün – eine der schönsten Farben der Natur im Wechsel von Sonnenlicht und Wolkenschatten. Auf dem Weg zurück nach Norden rasten Tausende von Wildgänsen auf Äckern und Weiden zwischen Schafen. „What a wonderful world“ – der hawaiianische Musiker Israel Kamakawiwo‘ole singt mir aus der Seele.

Neben mir auf dem Beifahrersitz stapeln sich die Aktenseiten. Der Fall von Frau G.: medizinische Berichte, Gutachten, Schriftwechsel zwischen Anwälten und Versicherung, dazwischen Bilder von Operationen, einem entstellten und verbrannten Körper, der kaum als menschliches Wesen zu erkennen ist. Das ist Frau G. Weiterlesen