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Behandlungsfehler

26.08.2019

Schlaganfall & Behandlungsfehler - Gute Argumente fĂĽr Patienten

Malte Oehlschläger, Rechtsanwalt
Malte Oehlschläger
Inhaltsverzeichnis
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Ein Arzt und eine Ärztin betrachten MRT-Bilder eines Gehirns auf Monitoren; im Hintergrund liegt eine Person in einem medizinischen Gerät

Konkrete Leitlinien stärken die Patientenrechte

Patienten können bei einem Behandlungsfehler nach einem Schlaganfall besonders gut argumentieren. Das liegt an den sehr konkreten Formulierungen der Leitlinien und der medizinischen Fachliteratur. Hierdurch erhöhen sich die Erfolgsaussichten bei Schadensersatzforderungen erheblich.

Leitlinien: Klare Zeitvorgaben bei der Akutbehandlung

In den aktuell noch geltenden Leitlinien heißt es, der Schlaganfall sei als „medizinischer Notfall“ anzusehen. Konkret wird gefordert:

  • Innerhalb von 10 Minuten nach Eintreffen in der Klinik sollte der Patient durch einen Arzt gesehen werden.

  • Die CT-Untersuchung sollte innerhalb von 25 Minuten nach Eintreffen beginnen.

  • Die Behandlung sollte innerhalb von 60 Minuten nach Eintreffen beginnen ("Door-to-Needle"-Zeit).

Darüber hinaus sollten die Patienten „unverzüglich auf eine Stroke Unit gebracht werden“.

Die Leitlinien weisen sogar darauf hin, dass „viele Zentren sehr viel ambitioniertere Ziele erreichen“.

Deutsches Ärzteblatt: Höchste Priorität für Stroke Units

Im Deutschen Ärzteblatt wurden schon im September 2011 noch schärfere Formulierungen verwendet:

Schlaganfallpatienten seien „mit höchster Priorität in eine spezialisierte Einrichtung (Stroke Unit) einzuweisen“. Dies sei „durch eine hohe Evidenzklasse“ belegt. Und:

„Plötzlich aufgetretene Lähmungen, akute Sprach - oder Sehstörung, stärkste erstmalig eingesetzte Kopfschmerzen sowie Vigilanzminderung müssen als Warnhinweis ("red flags") angesehen werden, die die sofortige stationäre Einweisung in ein Krankenhaus mit Stroke Unit (EK1) unter Umgehung des hausärztlichen Notdienstes und des Hausarztes zur Folge haben müssen.“

Das Deutsche Ärzteblatt erscheint seit 1872, richtet sich an alle medizinischen Fachrichtungen und erscheint wöchentlich in einer Auflage von 350.000 Exemplaren. Damit ist es die auflagenstärkste Medizinzeitschrift in Deutschland.

Studien bestätigen: Stroke Units senken Mortalität deutlich

Studien bestätigen darüber hinaus, dass allein die Behandlung auf einer Stroke Unit (verglichen mit einer allgemeinen Klinik) sehr effektiv ist und die Mortalität (Sterblichkeit) um 18-46 % und das Risiko einer Abhängigkeit um 29 % reduzieren. Denn hier gilt nicht nur der bekannte Grundsatz „time is brain“ (Zeit ist Hirn), sondern auch „competence is brain“ (Kompetenz ist Hirn).

Wenn Zeitvorgaben nicht eingehalten werden, droht Haftung

Werden die oben genannten Zeiten unterschritten oder wird der Patient nicht auf einen Stroke Unit verlegt, so könnte ein Anspruch auf Schmerzensgeld und Schadensersatz bestehen, wenn ein Schaden eingetreten ist. Dieser lässt sich mit den Leitlinien und der Literatur sehr gut begründen.

Mehr zur rechtlichen Einschätzung bei Behandlungsfehlern nach einem Schlaganfall finden Sie hier: Behandlungsfehler nach einem Schlaganfall

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