Vorteilsausgleich – Anrechnung ersparter Aufwendungen

Wenn Sie aufgrund eines Unfalls oder Behandlungsfehlers vorübergehend oder gar dauerhaft arbeitsunfähig geworden sind, haben Sie einen Anspruch auf Erstattung des Verdienstausfalles und anderer Aufwendungen gegen den Schädiger.

Ersparte Aufwendungen werden angerechnet

Allerdings werden die im Wege des sogenannten Vorteilsausgleiches gleichzeitig eingetretenen Ersparnisse darauf angerechnet. So kann es beispielsweise sein, dass für den Weg zur Arbeit Fahrtkosten aufgewendet werden mussten oder auch für die Verpflegung zusätzliche Kosten entstanden sind. Sind Sie dagegen zuhause, fallen diese Kosten nicht oder nur in geringerer Höhe an und sind auf den Verdienstausfall als sogenannte „ersparte berufsbedingte Aufwendungen“ anzurechnen.

Die Höhe der Ersparnisse muss konkret berechnet werden.

Fahrtkosten

Fahren Sie beispielsweise mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit, werden Sie in aller Regel eine Monatskarte oder eine Jahreskarte haben, so dass man deren Kosten und damit die eingetretene Ersparnis exakt bestimmen kann. Das gleiche gilt, wenn Sie mit dem Auto zu Ihrem Arbeitsplatz fahren. Hier müssen zumindest die Kilometerkosten als Ersparnisse berücksichtigt werden. Keine Ersparnisse entstehen dagegen, wenn der Arbeitsplatz zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreicht wird. Dasselbe gilt, wenn Sie von Kollegen im Auto mitgenommen werden.

Verpflegungs(mehr)kosten

Bei den ersparten Verpflegungskosten ist zu beachten, dass es nur um die Mehrkosten geht. Ohne das Schadenereignis wären natürlich auch zuhause Verpflegungskosten entstanden. Mehrkosten entstehen dagegen dann, wenn beispielsweise ein Kantinenessen teurer ist als das Essen zuhause. Allerdings kommt es ja durchaus nicht selten vor, dass man sein „Butterbrot“ mit auf die Arbeit nimmt. In diesem Fall entstehen keine Ersparnisse, denn einen anrechenbaren Vorteil gibt es hier nicht.

Schätzung der ersparten Aufwendungen

Diese Gesichtspunkte müssen Sie vortragen. Tun Sie das nicht, kann die Ersparnis laut der überwiegenden Rechtsprechung geschätzt werden. In diesem Fall wird ein bestimmter Prozentsatz vom Nettoeinkommen abgezogen, der in der Regel zwischen 5 und 10% liegt.

Es lohnt sich also unbedingt, diese Punkte zu beachten, damit der Verdienstausfall nicht unverhältnismäßig gekürzt wird. In aller Regel ist es günstiger, die Ersparnisse konkret zu ermitteln, als sich auf Schätzungen zu verlassen.

Trotz der eindeutigen Rechtsprechung, versuchen verschiedene Versicherer einen pauschalen Abzug durchzusetzen. Ein solcher Abzug ist nicht zulässig, vielmehr muss auf den konkreten Einzelfall abgestellt werden. Einen pauschalen Abzug sollten Sie bzw. Ihr Anwalt also auf keinen Fall akzeptieren, zumal es in den allermeisten Fällen auch nachteilig für Sie ist. Bei einem dauerhaften Verdienstausfall kann der Unterschied unter Umständen einen erheblichen Betrag ausmachen, der nicht selten im deutlich fünfstelligen Bereich liegt.

Helmut Gräfenstein, Rechtsanwalt


Sie wurden durch einen Unfall oder Behandlungsfehler arbeitsunfähig?

Sprechen Sie mit uns. Wir setzen uns mit aller Kraft für die Durchsetzung Ihrer Schmerzensgeld- und Schadensersatzansprüche ein. Folgende Experten stehen Ihnen für eine kompetente Rechtsberatung u.a. zur Verfügung:
Melanie Mathis, Fachanwältin für Verkehrsrecht und Partnerin
, Eleonore Wunder, Rechtsanwältin, Rechtsanwältin Ines Gläser, Fachanwältin für Medizinrecht.

Schweigepflichtentbindungserklärung und Einwilligung in die Weitergabe der Gesundheitsdaten an Dritte

Grundsätzlich ist ein Geschädigter zur Mitwirkung an der Aufklärung von Unfallfolgen verpflichtet. Er ist verpflichtet, die geforderten Belege einzureichen und dem Haftpflichtversicherer eine längere Prüfungsfrist zu gewähren. Allerdings ist er nicht dazu verpflichtet, es dem Schädiger zu ermöglichen, seine Gesundheitsdaten an Dritte zur Prüfung weiterzugeben. Das hat das Landgericht (LG) Essen in seinem Beschluss vom 08.08.2018 (Az.: 2 O 88/18) entschieden. Weiterlesen

Arzthaftungsrecht: Bessere Schadensregulierung durch Zinserhöhung

Es ist eine traurige Tatsache, dass Versicherungen im Arzthaftungsrecht die Regulierung oft über Jahre verzögern, auch wenn der Schaden erheblich und der Behandlungsfehler nachgewiesen ist.

Die Geschädigten leiden hier dreifach:

  1. aufgrund der direkten Folgen des Behandlungsfehlers (körperliche und seelische Beeinträchtigungen,
  2. aufgrund der indirekten Folgen des Behandlungsfehlers (Sorge um die wirtschaftliche Existenz durch Verlust des Arbeitsplatzes, hohe Therapiekosten etc.),
  3. weil der ihnen zustehende Anspruch auf Schadensersatz nicht gewährt wird (Gefühl der Ohnmacht wegen der erlittenen Ungerechtigkeit).

Weiterlesen

Notfallkaiserschnitt in unter sechs Minuten?

Die Nichteinhaltung der E-E-Zeit ist seit vielen Jahren Gegenstand zahlreicher Arzthaftungsverfahren. E-E-Zeit ist die nach fachmedizinischem Standard hinnehmbare Zeit zwischen der Entscheidung (E) zur Durchführung eines Notfallkaiserschnitts (Notsectio) und der Entwicklung (E) des Kindes. Der Notfallkaiserschnitt ist eine Schnittentbindung, die im Rahmen einer lebensbedrohlichen Situation für Mutter und/oder Kind vorgenommen wird

Bei der Bearbeitung unserer Geburtsschadensfälle treffen wir häufig auf Konstellationen, in denen bei der Geburtssituation im Kreißsaal ein Notfallkaiserschnitt mal mehr, mal weniger rechtzeitig indiziert wird. Ist dies der Fall, läuft die Uhr: Nach Ausrufen der Notsectio muss die Entbindung des Kindes innerhalb von 20 Minuten erfolgt sein. Weiterlesen

Rehamanagement Oldenburg – der etwas andere Rehadienst

Nach einem schweren Unfall oder Behandlungsfehler befinden sich viele unserer Mandanten in einer scheinbar ausweglosen Lage. Oft sehen sich sich vor unüberwindbare Hürden gestellt. In dieser Situation sehen wir uns nicht nur als juristischen Beistand, wir helfen unseren Mandanten auch, in den Alltag zurückzukommen. Wichtige Partner sind dann sogenannte Rehadienste, deren Angebot sowohl die medizinische als auch die berufliche Rehabilitation umfasst. Weiterlesen

Verdienstausfall bis zum 70. Lebensjahr von Versicherer akzeptiert

Wir vertreten häufig Kinder, die bei einem Unfall oder durch eine Behandlungsfehler schwerstgeschädigt wurden. Im Rahmen der Schadensersatzberechnung stellt sich meist die Frage, ob das Kind die Schule abschließen kann, ob eine Berufsausbildung oder ein Studium möglich ist und ob es später in der Lage sein wird, selbst für sich zu sorgen. Weiterlesen